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Voll daneben

In linken, feministischen & queeren Kreisen gibt’s bei „falschem“ Verhalten oft Call-outs. Ist das produktiv?

18.03.20 > Kommentare

Von Hengameh Yaghoobifarah
Foto: Juliette Moarbes und Stefanie Kulisch

Das erste virale Public Shaming fand in der Bibel statt. Adam und Eva haben diesen Apfel gegessen, obwohl sie wussten, dass es problematisch ist, und plötzlich kickte das Bewusstsein darüber, dass sie eigentlich die ganze Zeit nackt waren. Sie schämten sich, verdeckten ihre Genitalien mit Blättern, dann kam Gott und cancelte sie aus der Paradies-Community. Seitdem befinden wir uns in einer konstanten Abwärtsspirale.

Missy Magazine 02/20, Dossier Scham, Foto: Stefanie Kulisch & Juliette Moarbes
©Stefanie Kulisch & Juliette Moarbes

Hier die Scham, dort der Zorn: Die Philosophieprofessorin Hilge Landweer betrachtet diese Gefühle als entgegengesetzte Moods. In queeren, feministischen oder linken Gemeinschaften mögen vielleicht klassische Anlässe der Scham, wie wir sie aus der

Dominanzgesellschaft kennen, ausbleiben, doch Werte gibt es in jeder Community. Und: Der Zorn der einen Person kann die Scham der anderen auslösen.
Mit der Selbsterkenntnis kommt die Scham, so schreibt es die Publizistin Andrea Köhler in ihrem Essay „Scham: Vom Paradies zum Dschungelcamp“. Versteht jemand nicht von selbst, etwas „falsch“ gemacht zu haben, wird es der Person eindringlich zu verstehen gegeben. Salopp formuliert wäre dies das Konzept von Call-out-Culture. Wenn jemand auf intern herangetragene Kritik nicht reagiert, bleibt ja nichts anderes übrig, als die Person öffentlich darauf hinzuweisen, bestenfalls über kollektiven Druck aus der Gemeinschaft. Bei großen Unternehmen oder Promis mag das funktionieren, bei Einzelpersonen eher weniger.

Schwierig wird es, wenn Linke moralische Ansprüche mit politischen verwechseln: Gewisses Verhalten gilt als gut, anderes als schlecht. Wer sich schlecht verhält, erfährt Sanktionen. Statt Polizei, Geldstrafen und Knästen drohen andere Ausschlüsse. Scha…

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