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Überall zu Hause

Mit ihrem neuen Album „Homesick“ liefert AVEC den passenden Soundtrack zur Ausgangssperre.

07.04.20 > Musik

Von Christina Mohr

„While you feel like home / And I don’t wanna let go / With you I’m home / I keep holding on / Oh you’re my home“ – mit „Home“ hat Miriam Hufnagl alias AVEC den passenden Song zur Zeit parat, obwohl sie gewiss nicht an Corona dachte, als das Stück entstand. Denn viele Songs der österreichischen Musikerin sind von Melancholie durchdrungen, handeln von Einsamkeit und dem Gefühl der Verlorenheit, wie z. B. „Dance Solo“ oder „Homesick For A Day“.

©Earcandy Recordings

Beim Radiohören kann man angesichts zahlreicher „psychos“, die natürlich trotzdem süß und sexy sind, durchaus auf den Gedanken kommen, dass Themen wie Depression gerade ziemlich „angesagt“ sind. Mit AVEC verhält es sich anders. Ihre Lyrics wirken nicht bemüht zeitgeistig, sondern im besten Sinne aufrichtig: „I’m afraid of anything / I’m far away from normal / but who’s normal anyway?“, fragt AVEC in „Heavy On My Mind“, und es sind ihre klaren Worte, die die Songs so zugänglich und tröstlich zugleich machen, auch wenn es um problematische Fragestellungen geht. Denn AVEC steht zur eigenen Widersprüchlichkeit, was schon der Albumtitel ausdrückt: Heimweh kennt sie z. B. nicht, weil sie sich dort zu Hause fühlt, wo sie Musik machen kann, also überall. Es ist eher Frust wegen Stillstand oder unzuverlässiger Freund*innen, der AVEC zum Grübeln, aber dann auch in die Aktion bringt.

©Kidizin Sane

Die lyrische Seite ist das eine, mindestens ebenso eindrucksvoll sind AVECs Stimme und die Umsetzung ihrer musikalischen Ideen: Auf ihrem dritten Album „Homesick“, das gerade erschienen ist, perfektioniert AVEC den folkinspirierten Singer-/Songwriterpop, der die Vorgänger „What If We Never Forget“ (2016) und „Heaven/Hell“ (2018) auszeichnete. Deutlich gereift und selbstbewusst gehen Hufnagl und ihre Bandkollegen an die Stücke heran, singen mehrstimmig und experimentieren mit elektronischen Elementen, Harmonien werden mit druckvollen Bläsersätzen akzentuiert, die Dramaturgie wechselt geschmeidig von zart-gefühlvoll bis dramatisch. Man spürt förmlich die gewachsene Erfahrung der Musiker*innen durch Auftritte beim legendären Wiener Popfest, aber auch mit Stars wie Sting und Zucchero. Ganz klar spielt AVEC spätestens mit diesem Album in derselben Liga wie Lena, Alice Merton und Stephanie Heinzmann.

AVECs angekündigte Tour wird in den Herbst verlegt.

AVEC „Homesick“ Earcandy Recordings

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