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Über Lebenslust

Die Pandemie weckt in unserer Autorin Erinnerungen an bereits vergangenes Leid, aber auch an die Heilung.

11.05.20 > Aktivismus,

Von Edna Bonhomme

Ich bin in Little Haiti geboren und aufgewachsen, in einem Viertel, das 15 Minuten nördlich der Innenstadt von Miami liegt. Ein Ort voll mit farbenfrohen Häusern, Banyan-Feigenbäumen, streunenden Hühnern und Männern, die auf ihren Höfen Domino spielten. In gewisser Weise war Little Haiti eine Enklave, die den Verkehr von Port au Prince und den Geruch von Muschelsalat aus Gonaïve in sich trug. Inmitten von Miami, einem Paradies aus Palmen, schimmernden modernistischen Gebäuden und schönen Stränden, gab es eine Unterschicht von Menschen, die als krank wahrgenommen wurden.

Missy Magazine 03/20, Essay
© Eleana Katanou

1981 nahm mein Vater nahm mein Vater im Norden Haitis ein Boot und wanderte in die

USA aus; zwei Jahre später folgte ihm meine Mutter auf dem gleichen Weg. Sie schlossen sich anderen armen Haitianer*innen in Miami an, wo sie als Tagelöhner*innen manuelle Arbeiten verrichteten und schließlich in Sanitär- und Textilfabriken arbeiteten. Damals entwickelte sich HIV/AIDS zu einer modernen Epidemie, die sich in allen größeren US-Städten ausbreitete. Die Welle der haitianischen Einwanderer*innen wurde fälschlicherweise dafür verantwortlich gehalten. Das United States Center for Disease Control listete 1983 vier vermeintliche Gruppen als „Hochrisiko“ für die Ansteckung mit oder die Übertragung von HIV/AIDS auf: Homosexuelle, Heroinkonsument*innen, Hämophile und Haitianer*innen. Die Zugehörigkeit zu diesem „4 H-Club“ bedeutete, dass Haitianer*innen und ihren Nachkommen Unterkunft, Beschäftigung und Schulbesuch verwehrt wurden. Little Haiti galt als No-go-Zone, und die Angst und das Unbehagen vor einer Epidemie übertrug sich auf weiter gefasste Themen wie Rassismus, Migration und Klasse. Für meine …


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