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Kein Angebot ohne Nachfrage

Céline Barry spricht über die Verschränkung von Rassifizierung und Kriminalisierung in der Drogenpolitik.

14.07.20 > Inland,

Interview: Dominique Haensell

Worum ging es bei eurer letzten Kampagne Ban! Racial Profiling?
Der Fokus lag vor allem darauf, die sogenannten „Gefährlichen Orte“ abzuschaffen. Orte also, an denen die Polizei verdachtsunabhängig Menschen kontrollieren darf. Das geschieht an „kriminalitätsbelasteten Orten“, also Orten, an denen die Polizei entscheidet: „Da passiert Kriminalität.“ Wir wissen, dass gerade dort extrem viel Racial Profiling stattfindet. Ein ganz wichtiges Beispiel dafür ist der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg, in dem die Polizei einfach omnipräsent ist und auch ständig mit Polizeiwannen anrückt, um die Drogenszene zu kontrollieren. Es wird also gesagt: „Schwarze Menschen verkaufen dort Drogen“, und in der Konsequenz werden Schwarze Menschen in diesem Park ständig kontrolliert. Für uns ist es natürlich wichtig, dass Menschen nicht kontrolliert werden, nur weil sie Schwarz sind. Der Ablauf müsste bei der Polizei eigentlich immer so sein, dass erst Verdachtsmomente entstehen, aufgrund derer dann Menschen kontrolliert werden.

Ihr habt viele Erfahrungsberichte insbesondere von jungen Schwarzen Männern gesammelt, die den Park aufgrund dieser Dauerkontrollen meiden. Sie fühlen sich zu

Unrecht kriminalisiert, weil sie mit dem Drogenhandel nichts zu tun haben.
Aus einer Schwarzen Perspektive muss man auch einfach sagen, dass die Kriminalisierung von Schwarzen Menschen und die Verbindung mit Drogenkonsum eine sehr lange Geschichte hat. Als Schwarze Person läuft man durch die Straße und wird gefragt, wo es Gras zu kaufen gibt. All diese Dinge spiegeln sich eben in der Polizeiarbeit wider. Wenn wir als Schwarze Community auf das Problem schauen, ist es daher besonders wichtig, dass wir die Kriminalisierung von Drogen in einen größeren Kontext stellen. Denn es hat ja einen bestimmten geschichtlichen Hintergrund, wer welche Arbeit macht und wer z. B. auf der Straße arbeitet und sogenannten „kriminalisierten“ Berufen nachgeht. Da muss man natürlich auch noch mal auf Klasse schauen. Die Menschen, die Drogen verkaufen, haben vielleicht auch keine andere Aussicht auf gutes Einkommen, weil sie sich eventuell illegalisiert in Deutschland aufhalten oder einfach keine anderen Möglichkeiten ha…

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