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Nicht ohne meine Chlorwasser

Unsere Kolumnistin hat im Freibad gelernt zu machen, was ihr gut tut – das war nicht immer so.

14.07.20 >

Von Nadia Shehadeh
Illustration: Xueh Magrini Troll

Vielleicht habe ich alles, was ich im Leben erreicht habe, dem Sommer zu verdanken, in dem ich acht Jahre alt war, bzw. dem Freibad, in dem ich diesen Sommer verbrachte. Wir waren mal wieder in eine andere Stadt gezogen, etwas unpassend zu Beginn der Sommerferien, sodass meine Eltern uns bespaßen mussten und wir nicht direkt neue Kinder kennenlernen und uns selbst beschäftigen konnten. Am Ende der Straße, in der wir wohnten, befand sich das städtische Freibad, und meine Eltern, die vor allem mit dem

Renovieren beschäftigt waren, schickten alsbald meine Brüder und mich dorthin. Weil aber vor allem mein großer Bruder es uncool fand, auf mich aufzupassen, fuhr ich meist heimlich alleine ins Freibad, was eigentlich verboten und natürlich gefährlich war (bitte macht es nicht nach, wenn ihr diese Kolumne lest und acht Jahre alt seid). Vielleicht war aber auch genau das der besondere Reiz für mich. Mit einer Grasmatte und einem Buch ausgerüstet wappnete ich mich für die langen Nachmittage, kam mir vor wie ein Teenager und nicht wie eine angehende Drittklässlerin und lernte zwei elementare Dinge: schwimmen und mir selbst genug zu sein. Meine einsamen Gänge ins Freibad ließen mich ungemein innerlich wachsen. Nach diesem Sommer liebte ich Schwimmbäder für eine Weile, sie kamen mir vor wie kleine Paradiese auf Erden. Bis sie mich mit meinem im Patriarchat gelernten Selbsthass konfrontierten.