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„Wir wollen nicht führen“

Ab Sommer 2020 leitet erstmals ein rein weibliches Kollektiv die Gessnerallee in Zürich.

14.07.20 > , Theater

Interview: Ulla Heinrich

Ihr habt euch als Team beworben. Wie habt ihr euch gefunden?
Rabea Grand: Ein Jahr vor unserer Wahl wurde ein Dreierfrauenteam in die Leitung des Theaters am Neumarkt in Zürich gewählt. Außerdem wurde ein neues Förderkonzept für die freie Theaterszene ausgearbeitet, welches das Gefühl vermittelt hat, dass nun vieles möglich wird. Ich verspürte in den letzten Jahren eine große Frustration über Arbeitsstrukturen am Theater und sah die Bewerbung als große Chance, diese Unzufriedenheit positiv zu nutzen. Mir war von Beginn an klar, dass ich mich niemals allein auf so eine Stelle bewerben möchte.
Juliane Hahn: Wir haben in den letzten Jahren alle ähnliche Erfahrungen in Schweizer und deutschen Kulturinstitutionen gemacht und gemerkt, dass dieses System für viele von uns

nicht funktioniert. In der Kunst finden immer wieder theoretische und ästhetische Diskurse statt, die sich in den realen Arbeitsbedingungen nicht wiederfinden. Damit handelt man in einem permamenten Paradox. Aus meiner Perspektive war der Findungsprozess in der Schweiz sehr transparent. Wir waren trotzdem überrascht, dass wir eingeladen wurden.
Michelle Akanji: Nachdem wir zur ersten Runde eingeladen wurden, haben wir uns extrem reingekniet und unser Konzept erarbeitet. Wir haben eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon mit unserer Arbeit begonnen.

Kann man ein Theater feministisch leiten?
RG: Das ist die große Frage. Wir wollen nicht die männlichen Machtpositionen besetzen, wir wollen das Gleichgewicht innerhalb der Institution radikal ändern und die Situation für alle verbessern.
MA: Für neue Programme oder Anstellungen gehen wir aktiv auf Personen zu, die im Theaterbetrieb unterrepräsentiert sind. Wir wollen nicht führen oder leiten, sondern gemeinsam herausfinden, wie wir zusamme…

Wir schreiben ohne Rücksicht auf Verluste und das machen wir mit Absicht! Das bedeutet aber, dass wir kein fettes Anzeigengeschäft machen, denn leider gibt es nicht viele Firmen, die heute schon fortschrittlich genug sind, um auf ein queer-feministisches Heft zu setzen. Kein Wunder, dass kein anderer Verlag ein Heft wie Missy herausgibt. Jetzt unabhängige, feministische Berichterstattung unterstützen und ein Missy-Abo abschließen.

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