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Komm schon?

Zwischen Achselhöhlen und Kniekehlen: Sex ohne Orgasmus ist kein Fehler im System.

21.09.20 >

Von Irmo Renard und Willem Nuhr
Illustration: Zora Asse

Was ist Sex? Das ist doch die Penetration einer Vulva mit einem Penis, oder? Rein, raus, uh, ah, Sperma im Kondom und die Frau hat gestöhnt, zwei Orgasmen – meist mindestens einer davon gespielt. So klar war das Skript für uns, bevor wir das erste Mal queeren Sex hatten.
Wir, das sind zwei gender-non-conforming Personen mit Vulva. Bevor wir sexuell intim miteinander waren, hatten wir beide nur heteronormativ-sexuelle Erfahrungen an der Hand: Was vorher Handjob war und als Petting galt, wurde von uns jetzt als Bestandteil von Sex definiert und nicht mehr nur als Vorspiel. Alles war neu und anders und umwerfend, und Freund*innen haben unser Sexleben als Gesprächsthema gemieden, weil zu viel sexuelles Wohlbehagen unsererseits für sie wohl etwas klebriger Gesprächsstoff war.

Wir beide waren also super happy mit den neuen Spielräumen, die Queerness (was auch immer das für Einzelne genau bedeuten mag) uns geboten hat. Und dann sind wir doch

irgendwann von unserer Wolke runtergekommen. So ganz in Ruhe wollte uns die Gesellschaft in unserer kuscheligen queeren Privatsphäre doch nicht lassen. In dem Moment, in dem wir hinterfragten, ob es eigentlich „normal“ war, dass wir beide beim Miteinanderschlafen keinen Orgasmus hatten, haben sich normative Vorstellungen von Sex zurück in unsere Interaktion geschlichen: „Hä, bist du eigentlich schon mal gekommen?“ „Nee, du?“ „Nee, auch nicht. Aber warte, was meinst du eigentlich? Bist du nicht sexuell befriedigt?“ „Doch, voll!“ Unsere emotionalen und körperlichen Bedürfnisse waren noch nie so verwöhnt, liebkost, befragt und beantwortet worden. So richtig mit Kommunikation und so. Wer braucht da noch Orgasmus?Obwohl sich alles richtig anfühlte, meldeten sich die kulturellen Normen: „Ey, ihr failt. Euch fehlt was. Ihr macht was falsch. Wo bleibt der Orgasmus? Reißt euch doch mal zusammen. Kommt!“