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Schwarzer Körper, weißer Profit

In der US-amerikanischen Pornoindustrie werden nun antirassistische Stimmen immer lauter.

21.09.20 >

Von Madita Oeming
Illustration: Diana Ejaita

Pornos sind ein Spiegel der Gesellschaft. Kein Wunder also, dass uns in ihnen auch die gleichen Rassismen begegnen. Das gilt für die Bilder an sich genauso wie für die Machtstrukturen der Industrie, die sie produziert. Es sollte daher nicht überraschen, dass auch politische Bewegungen wie Black Lives Matter nicht an dieser Branche vorbeiziehen. Auch wenn er gerne als Parallelgesellschaft marginalisiert wird: Porno existiert nicht im Vakuum. So waren die letzten Monate auch dort bewegt. Posts zum Thema Rassismus im Porno fluteten Soziale Medien, virtuelle Podiumsdiskussionen wurden organisiert, Petitionen gestartet, in diversen Mainstreammedien wurde umfassend darüber berichtet. Sogar das erste BIPoC-Adult-Industry-Kollektiv hat sich jüngst gegründet, um sich im Widerstand zu organisieren.

„Einen Moment wie diesen hat es so noch nicht gegeben“, sagt Sinnamon Love, die Gründerin des Kollektivs, die seit mehr als 25 Jahren in der Pornoindustrie aktiv ist. Warum gerade jetzt? Es sei die einmalige Kombination aus COVID-19, der aktuell massiv gesteigerten Sichtbarkeit von rassistisch motivierter Polizeigewalt und dem allgemeinen

Protestklima, erklärt sie. Im Lockdown bleibt nicht nur mehr Zeit für Aktivismus, sondern der coronabedingte Drehstopp hat auch etliche Performende in die Eigenproduktion gezwungen und so die Erkenntnis gebracht, dass sie auch selbstständig über die Runden kommen. „Plattformen wie OnlyFans haben viele von uns empowert“, erzählt Pornodarstellerin Demi Sutra.

Die finanzielle Unabhängigkeit macht mutig. Mutig, Rassismuserfahrungen öffentlich zu teilen und Personen oder Studios zu kritisieren. Viele Stimmen of Color wurden diesen Sommer laut. Stimmen, die sagen: Es reicht! Mut auf der einen Seite führt zu Panik auf der anderen. „Firmen haben jetzt Angst vor Call-outs“, stellt Performer Mickey Mod fest. „Sicherlich keine optimale Motivation, aber vielleicht eine wirksame“, hofft er.
Denn einen der Hauptgründe dafür, dass die Pornoindustrie so lange mit so offensichtlich rassistischen Inhalten und Praxen davongekommen ist, sieht er in der anhaltenden Stigmatisierung. Es fehle komplett an Kontrollinst…