Von Aida Baghernejad

Eigentlich ist es ja schon irre, wie lang es gedauert hat, bis Instagram, Facebook und Co. und die dazugehörigen Praktiken von Post, Like und Follow Einzug in die Lyrics von Künstler*innen gehalten haben. Als wäre es lange peinlich gewesen, zuzugeben, dass man viel zu oft mit dem Handy in der Hand auf ein Like wartet. Ein Like von der einen Person, für die man doch dieses eine, ganz bestimmte Bild gepostet hat.

Erst seit einigen Jahren hat sich das geändert. Gut so, denn sonst hätten wir auf eine Wahnsinnsnummer wie „Like“ der Hamburger Künstlerin Preach verzichten müssen, die

ihr Album „Likör“ direkt mal mit dem Satz „Wird ja auch Zeit, dass du meine Bilder likest“ eröffnet. Vornehme Zurückhaltung? Am Arsch! Preach nimmt kein Blatt vor den Mund, oder, um es in ihren eigenen Worten auf dem Track „Manchmal“ zu sagen: „Die Wahrheit wird hier kalt serviert“.

Sie schmachtet nicht, sie fordert und weiß ganz genau, was sie will. „Nenn mich ’ne Bitch, stört mich nicht“, singt sie auf „Bitches“. „Bitch holt sich alles, was Bitch zusteht“. Ob es nun um Sex geht wie etwa auf der Cunnilingus-Hymne „Pussy“ oder in „Boi“, einem Song, den man auch als #SorryNotSorry zusammenfassen könnte, oder ums Feiern, wie auf „Schichtende“ oder dem angemessen entspannten „Party After Party“ – mit einer Stimme wie schwerer Honig kombiniert sie ihre teils sehr expliziten Lyrics mit zeitgenössischen Beats. Ein bisschen 90s-R’n’B hört man, Dancehall auch, und vor allem diese Texte, irgendwo zwischen Empowerment und Schockmoment schillernd.

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