Zukunft im Konjunktiv

„Futur Drei“ malt eine Utopie inmitten der dystopischen Realität der Asylpolitik.

24.09.20 > Film & Serien

Von Aida Baghernejad

Mit dem Megafon in der Menge. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber vor knapp sieben Monaten fand die Berlinale statt, das größte Publikumsfilmfestival der Welt, mit Hunderttausenden Besucher*innen, Hunderten Screenings und einem ganz besonderen Film: „Futur Drei“ von Faraz Shariat und seinem Kollektiv Jünglinge. Dass sich der Film, der in der Sektion Panorama lief und nicht etwa im Wettbewerb, zu einem der Highlights des Festivals entwickeln sollte, war bereits vorher klar: Letztes Jahr schon wurde er bei den First Steps Awards gleich doppelt ausgezeichnet, als bester „Abendfüllender Spielfilm“ und für das „Beste Ensemble“ aus Benjamin Radjaipour, Eidin Jalali und Banafshe Hourmazdi. Auf der Berlinale wurde der Film dann noch als „Bester Erstlingsfilm“ nominiert und gewann zwei Teddy-Awards, u.a. für den „Besten Spielfilm“. Kann auch nicht jeder Erstlingsfilm von sich behaupten. Noch weniger ein queerer, postmigrantischer Film, der zu weiten Teilen auch gar nicht auf Deutsch stattfindet.

Worum es geht, ist schnell erzählt: Parvis (gespielt von Benjamin Radjaipour), der Sohn zweier Exiliraner*innen, muss nach einem Diebstahl im Club – er lässt eine Schnapsflasche mitgehen – Sozialstunden in einem Geflüchtetenheim ableisten. Dort trifft er auf Amon (Eidin Jalali) und Banafshe (Banafshe Hourmazdi), zwei aus dem Iran geflüchtete

Geschwister. Einen Sommer lang feiern sie sich und das Leben und formulieren die Idee einer Zukunft, in der auch sie zu Hause sein können. Amon und Parvis werden ein Paar und Banafshe muss aufgrund des menschenverachtenden Asylsystems untertauchen. Der brutalen Realität setzen die Hauptfiguren ihre Verletzlichkeit und ihre Utopien entgegen und vielleicht, vielleicht kann man am Ende sogar ein wenig Hoffnung auf die bessere Zukunft haben.

Manchmal wird ja erst klar, was immer gefehlt hat, wenn es jemand anderes einfach mal macht: Darstellungen von postmigrantischem und queerem Leben und von Flucht, die nicht sensationslüstern oder reduktiv daherkommen. „Die Figur definiert sich nicht darüber, dass sie geflüchtet ist. Das war ihr äußerer Umstand, das, was dieser Figur von außen angetan wurde“, so beschreibt es eine der Hauptdarsteller*innen, Banafshe Hourmazdi. „Dass sie keinen gesicherten Aufenthaltsstatus hat, war eine Form von Gewalt, die sie erlebt hat. Aber das war nicht, wer sie ist.“

„Futur Dr…

Du kannst nicht genug bekommen? Unser Print-Abo versorgt Dich mit dem Neuesten in Sachen Politik, Pop, Debatten und Veranstaltungen! 6 Hefte für 30 Euro direkt zu Dir nach Hause. Hier geht´s zum Missy-Abo.