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365 Tage

Das Weihnachtsgeruchsmonopol wird langsam, aber sicher zersetzt. Und das ist gut so!

09.11.20 >

Von Nadia Shehadeh

Der Kardamomverbrauch in meinem Haushalt ist das ganze Jahre über immens: Er gehört in diverse Reis- und Fleischgerichte, ich gebe großzügige Prisen davon in meinen Kaffee und manchmal auch in Smoothies. Milchreis mit Zimt fand ich immer ekelhaft, aber es gibt ein arabisches deftiges Reisrezept, in das neben angebratenen Rosinen auch eine Dosis Zimt gehört: ein Gedicht! Es gab Zeiten, da wurde ich für diese ganzjährigen Kochroutinen belächelt, ganz nach dem Motto: „Oh, das riecht aber sehr nach Weihnachten bei dir, höhö!“ Diese Zeiten sind aber – inshallah – vorbei. Nachdem man in vielen Ländern des Globalen

Nordens trotz kolonialer Raubzüge gerne elf Monate im Jahr vergaß, dass es tatsächlich mehr Gewürze gibt als Salz, Pfeffer und Paprika Edelsüß, haben sich die Zeiten nun geändert. Ich sage dazu: Embrace it!

Gut, so merkwürdige, westlich-kapitalistische Auswüchse wie das Geschäftemachen im großen Stil mit „Pumpkin Spice“ (wir erinnern uns: Zimt, Muskatnuss, Nelken, Ingwer, Piment, Kardamom, lol) sind natürlich nur so mittelprächtig. Nicht vergessen darf man ebenfalls die nervtötende Supremacy-Attitude der weißen Superfood-Fraktion, die inzwischen ganzjährig Zimt und Kurkuma in den morgendlichen Kaffee oder Haferschleim mischt. Das Gute aber, also quasi der dialektische Umschwung daran ist: Beschaffungsprobleme gibt es für mich nicht mehr, meine Gewürze finde ich neuerdings in jedem mittelgut sortierten Supermarkt – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Doch was den Weihnachtsduft betrifft, bin auch ich mittlerweile verwirrt. „Riechen diese Ringel etwa nach Weihnachten?“, fragte ich mich let…