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Mehr ist mehr

Unsere Autorin plädiert für Maximalismus: Nippes und Tand sind Seelentröster für schwierige Zeiten.

09.11.20 >

Von Nadia Shehadeh
Illustration: Beyza Yılmaz

Meine Wohnung ist voll mit Tand, und mancher war nicht mal besonders günstig: Ich besitze z.B. eine handgefertigte und sehr teure Emily-Brontë-Figur, Dr. Zaius aus „Planet der Affen“ in Barbie-Größe und eine Tassensammlung, mit der ich komplette Cafés ausstatten könnte. Meine Modeschmucksammlung könnte ganze Nippesabteilungen füllen, und mein Bad sieht aus wie eine Minidrogerie – nur ohne Kassenband. Und während ich diese Kolumne schreibe, trinke ich Kaffee aus einem Gefäß, das wie ein schwarzer

Hexenkessel aussieht. Ihr seht: Läuft bei mir.

Ich bin einfach anfällig für hübsche Staubfänger und Impulskäufe, die ich manchmal auch schon nachts mit dem Handy getätigt habe (etwa die wunderbare Sammlung von Kate-Bush-Filzfiguren, die ich irgendwann mal bei Etsy erwarb und immer noch als großen Shoppingerfolg werte). Ich habe schon unzählige sinnlose Dinge in meine Onlinewarenkörbe gelegt, um den Mindestbestellwert zu erreichen. Und das alles tue ich in einer Zeit, in der weltbekannte Bücher („Magic Cleaning“), Facebook-Accounts mit großer Reichweite („Unfuck your habitat“) sowie Hunderte Instagram- und YouTube-Accounts sehr überzeugend das Gegenteil von dem predigen, was ich tue: Ich sammle,horte, dekoriere. Gepredigter Minimalismus wurde schon oft für seinen Klassismus und für seine durchgestylte Arroganz kritisiert: Hinter der Behauptung, weniger sei mehr, steht schließlich auch eigentlich immer die (finanzielle) Möglichkeit, Dinge bei Bedarf nachzukaufen. Mich persönlich widert zudem die elit…