Zerstörend. Gut.

Die Dramedy „I May Destroy You“ über Konsens und Trauma wurde einstimmig zur Serie der Stunde gekürt.

09.11.20 > Film & Serien,

Von Dominique Haensell

„Top-notch!“, „A masterpiece!“  Zur Erstausstrahlung im Juni überschlugen sich Kritiker*innen vor Lob: „I May Destroy You“ wurde einstimmig zur Serie der Stunde gekürt. Dabei bediente die neue TV- Serie der „Chewing Gum“- Schöpferin Michaela Coel nicht unbedingt den sommerlichen Mainstream-Hunger nach Antirassismus- Content. Klar, Coel ist Schwarz und „I May Destroy You“ zeichnet ein nuanciertes Bild vom Leben junger Schwarzer Londoner*innen, zu dem Rassismus ebenso dazugehört wie Afrobeats-Dancepartys. Aber im Zentrum der Serie stehen andere Themen: sexuelle Gewalt, Konsens und Trauma.

Arabella (Coel), Twitter-Berühmtheit und Buchautorin, leidet angesichts der

nächsten Deadline unter einer Schreibblockade. Um sich abzulenken, geht sie in eine Bar. Dort mischt ihr jemand etwas ins Glas, der Rest des Abends versinkt im Nebel und Arabella findet sich morgens mit einer Platzwunde vor dem Laptop wieder. Bald kehren Teile ihrer Erinnerung zurück und mit ihnen die furchtbare Erkenntnis, dass Arabella vergewaltigt wurde.

Wie Gefühle der Machtlosigkeit eine Person prägen, und wer in „I May Destroy You“ schlussendlich zerstört werden könnte, erfahren Arabella und ihre besten Freund*innen Terry (Weruche Opia) und Kwame (Paapa Essiedu) fortan in verschiedenen Szenarien, die schon allein rechtlich nicht immer so klar zu deuten sind wie im ersten Fall. Während es Arabella bald gelingt, ihre Erfahrungen in Worte zu fassen, leidet ihr Freund Kwame bspw. still unter den Folgen seiner Grindr-Abhängigkeit. So lotet „I May Destroy You“ geschickt das morastige Unterholz unserer sexuellen Gegenwart aus. Wie funktioniert Konsens? Was macht retrospektives Wissen mit einer ohnehin schon …

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