Literaturrezis 01/21

Die neusten Bücher, um das neue Jahr zu starten – von Missy rezensiert.

11.01.21 > , Literatur & Comics

Missy Magazine 01/21, Lieteraturrezis

Mein Name ist Ausländer
„Mein Name ist Ausländer / Ich arbeite hier / Ich weiß, wie ich arbeite / Ob die Deutschen es auch wissen?“ Mit diesen Zeilen beginnt „Mein Name ist Ausländer“, das bekannteste Gedicht der Aktivistin, Arbeiterin und Poetin Semra Ertan. Im Mai 1982 kündigte sie, damals 25 Jahre alt, beim NDR ihren Suizid an – als Protest gegen Rassismus. Am 24. Mai verbrannte sie sich auf St. Pauli, wo seit 2018 zu ihrem Todestag eine Gedenkveranstaltung organisiert wird. 1971 migrierte Semra Ertan mit ihren Eltern nach Kiel, mit 15 begann sie zu schreiben. In ihren Gedichten zeigt sie sich als kluge Beobachterin, als melancholische

Denkerin. Auf Deutsch und Türkisch erscheint ihr Werk erstmals in einem eigenständigen Band. Zwar veröffentlichte sie bereits zu ihren Lebzeiten Texte, doch ihr Traum vom eigenen Buch erfüllt sich erst jetzt. Die Gedichte sind mit Daten versehen, häufig mit Ortsangaben, manchmal Uhrzeiten. Die Herausgeberinnen – ihre Schwester, die Therapeutin Zühal Bilir-Meier, sowie ihre Nichte, die Künstlerin Cana Bilir-Meier – haben ihre hinterlassene Arbeit kuratiert und übersetzt. Sie zeigen, wie kraftvoll Erinnerung ist. Semra Ertan lebt leider nicht mehr, doch ihr kämpferischer Geist begleitet uns weiterhin. Hengameh Yaghoobifarah

Semra Ertan „Mein Name ist Ausländer. Gedichte“ Edition Assemblage, 240 S., 18 Euro

 

 

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