Plenum unter Sternen

Die Bäume im Dannenröder Forst sind gefällt, doch der Protest lebt weiter.

08.03.21 > Aktivismus, Inland,

Von Fränzi Spengler und Joanna Bedersdorfer
Fotos: Sitara Thalia Ambrosio

Es ist ruhig, wenn mensch morgens Wasserkanister zur Küche schleppt. Noch ist es dunkel draußen – wären da nicht die Flutlichter der Baustelle. Abgesichert mit Bauzäunen und Stacheldraht hält sie in ihrem Inneren die gerodete Trasse. Wo zuvor Baumhausdörfer waren, hat sich „Isengard“ ausgebreitet – so wird die Containerburg der Polizei im Camp genannt. Die Generatoren haben die ganze Nacht gebrummt. Die Präsenz der Polizei ist durchgängig zu spüren. Ein Grund, warum einige Aktivisti* sich nach der Räumung entschieden haben, das Camp zu verlassen. Anfang Dezember 2020 wurde der letzte Baum im Baumhausdorf „Oben“ gefällt. Die Menschenmengen, die den Protest gegen die A49 in den vergangenen Monaten unterstützt haben, sind abgereist. Am Jungle Camp, dem gemeinschaftlichen Zeltplatz, bleiben dennoch einige Solizelte stehen: für diejenigen, die es weiterhin in den Danni zieht.

Die Straße, die vom Jungle Camp zum Infopoint führt, ist menschenleer. Die Luft ist feucht und kalt, kleine Atemnebel steigen auf. Das Protestcamp befindet sich am Rand von Dannenrod, einem Stadtteil von Homberg im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Anfangs stand hier nur ein kleiner Bauwagen, die Mahnwache unter den großen Pappeln. Heute haben sich mehrere Zelte auf dem Sportplatz und den umliegenden Feldern angesiedelt. Der Infopoint ist Tag und Nacht besetzt und erreichbar. Gerade wird die Nachtschicht

abgelöst. In der KüFa, der Küche für alle, wird ein riesiger Topf Porridge zubereitet. Einige hier protestieren schon seit September 2019 für den Erhalt des Dannenröder Forsts, von dem ein Teil für den Bau eines Abschnitts der Autobahn A49 zwischen Kassel und Gießen gerodet wurde. Die ersten Baumhausdörfer, auch Barrios genannt, wurden entlang der geplanten Autobahntrasse gebaut. Das Camp am Rande des Walds folgte ein Jahr später. Menschen aus anderen Bewegungen oder Bündnissen wie Ende Gelände oder Aktion Schlagloch unterstützten die Aktivisti in den Baumhäusern durch ihre Großaktionen am Boden. Die Swing Force hielt zu Hochzeiten der Räumung täglich Workshops über Knoten und freies Klettern ab. Mit den Schaukeln unterm Arm ging es mitten in der Nacht in den Wald, um bei Tagesanbruch rechtzeitig im Baum zu hängen.

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