The kids are alright

Queer, (post-)migrantisch, nah an der Wirklichkeit: Die Webserie „DRUCK“ ist überraschend erfrischend.

08.03.21 > Film & Serien,

Von Rayén Garance Feil und Marie Minkov

As queerer Teen der 2010er-Jahre wurde man auf der Suche nach authentischen, queeren Lovestorys im Fernsehen schnell enttäuscht. Da gab es hochdramatische Coming-outs, fiese Eltern und noch fiesere Mitschüler*innen, mit Pech starb am Ende jemand oder musste der Kirche beitreten. Mittlerweile ist Queerness im Mainstream der Serien- und Filmwelt angekommen, manchmal gut repräsentiert, selten mit BIPoC-Besetzung, noch seltener in deutschen Produktionen.Dann kam Dezember 2020 und die sechste Staffel der deutschen Webserie „DRUCK“, eine funk-Serie im Auftrag von ARD/ZDF, lief an. In der Hauptrolle: die verträumte Fatou, die nicht nur lesbisch, sondern auch Schwarz ist. Die

Enttäuschungen, an die wir uns fast schon gewöhnt haben, bleiben aus.

Fatou jobbt in einem Laden für Wassertiere und hat meistens ihr Skateboard dabei. Sie ist süß und cool gleichzeitig, schüchtern und mutig, soft und tough. Und unglaublich verknallt in ihre unnahbar scheinende Mitschülerin Kieu My. Über ihren Crush wissen Fatous Freund*innen Bescheid, und dass sie lesbisch ist, weiß sowieso jede*r. Paulina Lorenz, eine der Autor*innen der sechsten Staffel, erklärt: „Uns war wichtig, dass Fatou keine Figur ist, die erst in Staffel 43 entdeckt, dass sie queer ist. Sondern eine Figur, die sich ihrer Queerness bewusst ist.“ Das schafft Raum für die Abbildung queerer Normalität: „So können Fans sich zurücklehnen und wissen: Das wird jetzt keine dramatische Coming-out-Story.“

Auch sind Fatou und Kieu My nicht die stereotypisierten „Ausländer*innen“ des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die sonst so oft abgebildet werden. Jasmina Wesolowski, eine der beiden Headautor*innen der sechste…

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