Lieblingsstreberin: Elizabeth Jennings

Sie ist zwar unflexibel und engstirnig, doch dafür bleibt sie immer in ihrem Handeln konsequent.

10.05.21 > Film & Serien,

Missy Magazine 03/21, Lieblingstreberin, Elisabeth Jennings

Von Bahar Sheikh
Illustration: Eva Feuchter

Elizabeth Jennings, eine der Hauptfiguren der Serie „The Americans“, erscheint ihrem Umfeld und zunächst auch ihren Kindern wie eine ganz normale Vorstadtehefrau und -mutter mit geregeltem Job in einem Reisebüro. Doch weiß man als Zuschauer*in, dass sie ein nicht ganz so kleines Geheimnis hat. Elizabeth und ihr Mann Philip sind Spione für den sowjetischen Geheimdienst KGB (die Serie spielt in den 1960ern), die dazu ausgebildet wurden, sich wie Chamäleons in die US-amerikanische Mittelschicht zu integrieren. Nicht genug, dass ihr ganzes Leben eine Farce mit falschen Identitäten ist, für ihre Spionagetätigkeiten müssen sich die beiden regelmäßig weitere Identitäten zulegen und fake Beziehungen führen, um an Informationen und Technologien „der Amerikaner“ zu kommen. Elizabeth erledigt sowohl technische Aufgaben, diskretes Morden als auch klassisches Spionieren gewissenhaft. Mit 17 Jahren wurde sie vom Geheimdienst rekrutiert und ausgebildet, in der Ausführung ihrer Missionen ist sie perfektionistisch, hinterfragt selten Anweisungen und ist dem KGB gegenüber stets loyal. Denn Elizabeth ist nur aus einem Grund in den USA: um die Ziele der Sowjetunion voranzubringen. Sie erscheint dabei idealistischer als Philip – sie ist gegen Kapitalismus, für Gerechtigkeit und glaubt, durch ihre Tätigkeit diese Ziele bestmöglich zu unterstützen. Auch wenn sie etwas unflexibel und engstirnig erscheint – ganz zu schweigen von der Gewalt, die sie regelmäßig gegen unbeteiligte Menschen ausübt –, kann man sie zumindest dafür bewundern, dass sie in ihrem Handeln konsequent bleibt. Der Zweck heiligt dabei die Mittel – und das ist der Punkt, bei dem sie sich mit Philip in die Haare kriegt, der schon lange nicht mehr daran glaubt, irgendetwas durch seine Arbeit zu verändern oder gar zu verbessern. Für sie ist ihr Dasein eine Mission, für ihn nur ein elender Job, aus dem er nicht so richtig rausfindet. Als der Gegensatz zwischen ihren Idealen und den Anweisungen „aus Moskau“ zu groß wird, kommt aber auch ihr Gewissen der unerschütterlich scheinenden Loyalität in die Quere.

„The Americans“ ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die von 2013 bis 2018 ausgestrahlt wurde. Sie ist u. a. auf Netflix verfügbar.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 03/21.

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