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Patentlösungen gibt es nicht

Wie lassen sich Grundlagen für einen informierten antirassistischen Dialog schaffen?

10.05.21 > Aktivismus,

Von Natasha A. Kelly

Als die Black-Lives-Matter-Bewegung im Sommer 2020 durch deutsche Straßen zog, war es schwer zu leugnen, dass es auch hierzulande ein jahrhundertealtes Rassismusproblem gibt. Noch nie hatte das Thema so viel Aufmerksamkeit bekommen – weder von der weißen Mehrheitsgesellschaft noch von den weißen Medien. Verständlich, dass viele Schwarze Menschen nach den gewaltvollen Bildern des Mordes an George Floyd ein Ventil suchten, um ihrer Wut über eigene angestaute rassistische Erfahrungen Luft zu machen. Das Live-Video, das zufällig während der Tat von einer Passantin gefilmt wurde, ging in Sekunden um die Welt. Bei vielen betroffenen Zuschauer*innen führte es zu Retraumatisierungen und zur Reinszenierung der kolonialen Vergangenheit in der

Gegenwart, wie die Schwarze Psychologin Grada Kilomba einst schrieb.
George Floyds öffentliche Exekution durch einen weißen Polizisten ist auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Zur besten Sendezeit wurde ich durch RTL unfreiwillig und ohne Triggerwarnung zur Zeugin der vollen Brutalität und Komplexität des strukturellen Rassismus. In einem einzelnen Bericht thematisierte der Privatsender den Rassismus in den USA – als würde es bei uns keinen Rassismus geben. Der Schwarze Jogger Ahmaud Arbery war von rassistischen Fundamentalisten erschossen worden. Die so unscheinbar wirkende Amy Cooper hatte im New Yorker Central Park bei der Polizei angerufen und den Vogelbeobachter Christian Cooper beschuldigt, „ein bedrohlicher Schwarzer Mann“ zu sein, nachdem dieser sie darum gebeten hatte, ihren Hund anzuleinen. Und dann die Ermordung von George Floyd. Von dem rassistischen Terroranschlag in Hanau oder der antisemitischen Gewalttat in Halle kein Wort. NSU und Oury Jalloh waren vergessen.

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