Seitennavigation Katze Arbeit
Seitennavigation Menu IconMENU
Seitennavigation Search Icon

Nicht zu kaputt

Wie kann man in einem Alltag voll unbezahlter Sorgearbeit Liebe für die eigenen Kinder bewahren?

12.07.21 > Arbeit

Von Jacinta Nandi

Damals nannten wir es nicht Sorgearbeit“, sagt meine Tante im Videocall ein bisschen missbilligend. „Damals nannten wir es einfach Liebe!“ „Kotz!“, antworte ich und gucke kurz weg vom Bildschirm. Ich sehe, wie mein dreijähriges Kind braune Fußabdrücke auf dem Boden macht. „Ist das Kacke?“, frage ich ihn. Es ist kein Vorwurf, es ist kaum eine Frage. „Das ist Schoko“, erklärt er, sehr ernst. Immer wenn diese Kleinkinder dir etwas erklären wollen, kommen sie dir lächerlich vor. Wie lustige, knochenlose Clownfische. „Hier ist ein Mörder!“, sagt er. „Hier ist sein Fußabdruck! Wir brauchen Handschellen!“

Er rennt weg, ich höre auf, mit meiner hilfreichen Tante zu videocallen, und fange an, Schokofußabdrücke vom Boden wegzuwischen. Mein Sohn läuft wieder rein ins Zimmer, Handschellen dabei, und fängt an zu heulen, als er sieht, dass ich putze. „Das war Beweis!“, ruft er. „Du hast Beweis weggeputzt! Jetzt kommt der Mörder nicht ins Gefängnis!“

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, woher er das hat, mit dem Gefängnis und dem Mörder und dem Fußabdruck und so. Okay, jetzt ist wieder Regelbetrieb in der Kita – aber erst seit Neuestem – und die traurigste Wahrheit ist, dass ich, auch mit Kita, nie etwas zu Ende schreiben würde, wenn ich nicht das Fernsehen, und besonders YouTube, als unbezahlte Babysitter benutzen würde. Es gibt bestimmt eine Folge „Ryan’s World“, wo der Papa Mörder ist und ins Gefängnis kommt, wegen Fußabdrücken als Beweis. Eine glücklichere Wahrheit ist, dass ich low-key verliebt bin in Ryans Papa.
Ich drücke meinen Sohn an mich und sein Körper kommt mir wieder so schwer …