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Alles nach Leerplan

Ob rechte Gewalt im Unterricht thematisiert wird, hängt zu oft vom persönlichen Engagement der Lehrer*innen ab

13.09.21 > Inland,

Text: Ayesha Khan
Bild: Leander König

Leider ist es eine typisch deutsche Eigenschaft, den Gehorsam schlechthin für eine Tugend zu halten. Wir brauchen die Zivilcourage, ‚Nein‘ zu sagen.“ Dieses Zitat von Fritz Bauer, dem hessischen Generalstaatsanwalt von 1956 bis 1968 und Ankläger im Auschwitz-Prozess, ist zwar schon älter, an Aktualität hat es aber nicht verloren. Blicken wir auf die Institution Schule, bietet sich damals wie heute ein trauriges Bild: Schulgebäude sind abrissfällig, die Strukturen verkrustet. Diese aufzubrechen scheint, besonders in Zeiten der Pandemie, eine Herkulesaufgabe zu sein. Schule, das sollte ein Ort der Vermittlung von Bildung, also Wissen, Fähigkeiten und Werten sein. Festgehalten ist der gesellschaftliche Auftrag von Schule in den Schulgesetzen der Bundesländer. So auch die Lehrinhalte. Als besonders wichtig gelten die Hauptfächer: in der Regel Deutsch, Mathematik und eine Fremd- sprache. Doch wie sieht es mit der Vermittlung von gesellschaftlichen Zusammenhängen in der Schule aus? Bietet Schule als Institution den Raum für junge Menschen, aktuelle Ereignisse wie den Mord an Walter Lübcke oder die Anschläge von Halle und Hanau zu besprechen? Werden sie auch gesellschaftlich oder politisch eingeordnet, um Kontinuitäten aufzuzeigen? Sind die Attentate, Pogrome und Brandanschläge von Mölln, Solingen, Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und die NSU-Morde ein Thema im Unterricht?

Fragt man Menschen, wie der Geschichtsunterricht während ihrer Schulzeit gestaltet war, erhält man je nachdem, wo und wann die Person in Deutschland zur Schule gegangen ist oder auf welcher Schulform sie war, ein uneindeutiges Bild. Die allermeisten fassen ihren Geschichtsunterricht so zusammen: Steinzeit, antikes Griechenland, die Ägypter, das römische Reich, Mittelalter, Industrialisierung, Weltkrieg I, Weimarer Republik und dann kamen die Nazis. Nach den Nazis hat man manchmal noch Zeit, das Narrativ der „Trümmerfrauen“ zu romantisieren und kurz über Deutschlands Wirtschaftswunder zu sprechen. Alles andere ist zu jung, oder es fehlt schlicht die Zeit.

Missy Magazine 05/21, Dossier:alles…</p>        
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