Anstandslos

Raven Leilanis Roman erzählt von einer Künstlerin, die in die offene Ehe eines weißen Paares gezogen wird.

Text: Armeghan Taheri
Foto: Nina Subin

Sex, Lust und Hunger auf Intimität spiegeln unsere tiefsten Bedürfnisse, unsere Scham und unser Streben nach Kontrolle und Macht. Gleichzeitig sind diese Themen eng mit respectability politics verbunden – einer Assimilationsstrategie, vornehmlich innerhalb BIPoC Communitys, die sich Vorstellungen von gesellschaftlicher Anständigkeit unterwirft, indem sie u. a. „Moral“ fördert und Sexualität herunterspielt. Es sind genau diese Regeln der Respektabilität, die die Autorin Raven Leilani in ihrem Debütroman „Hitze“ brillant aufbricht, indem sie vor allem mit ihrer Protagonistin einen komplexen und fehlbaren Charakter schafft. Dadurch eröffnet Leilani eine überaus glaubhafte Geschichte darüber, wie Sex mit sozialen Dynamiken zusammenhängt.

Das Buch erzählt die Geschichte der 23-jährigen Künstlerin Edie, die sich mit einem schlecht bezahlten Job als Verlagsassistentin in New York kaum finanziell über Wasser halten kann. Über eine Dating-App beginnt sie eine Affäre mit Eric, einem zwei Jahrzehnte älteren weißen Mann, der in einer offenen Ehe lebt. Edie hat es besonders die Machtdynamik dieser Situation angetan. Beinahe voyeuristisch verfolgt der*die Leser*in fortan ihre Erlebnisse in weiß dominierten Räumen.

Missy magaznie 05/21, Anstandslos
© Raven Leilani

Bei ihrem ersten Date mit Eric versucht sie, ihre Verletzlichkeit so gut wie möglich zu verbergen, wie ein beschämendes Geheimnis: „Unnahbar ist eine lässige Haltung, eine Entscheidung. Kein M…

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