Lieblingsstreberin: Dominique Pierre

Allein für Odley Jean, die Dominique Pierre spielt, lohnt es sich „Grand Army“ zu sehen.

13.09.21 > Film & Serien

Text: Isabelle Caldart
Illustration: Eva Feuchter

Missy Magazine 05/21, Lieblingsstreberin, Grand Army:Dominique
© Eva Feuchter

Naiv ist sie nicht. Sie weiß, wie hart es sein wird, sich aus ihrer prekären Situation herauszukämpfen. Und doch hat sie Hoffnung – und genug Willensstärke, sich dem Kampf zu stellen. Dominique „Dom“ Pierre ist eine von fünf Protagonist*innen der kurzlebigen, im Juni überraschend abgesetzten Netflix-Serie „Grand Army“, die an einer Highschool im New Yorker Stadtteil Brooklyn spielt.

Dominique lebt mit Mutter, Schwester und den Kindern der Schwester in einer engen Wohnung. Alle packen mit an, damit das Geld reicht. Dom verkauft Haarprodukte und stylt nach der Schule die Haare anderer Schwarzer Mädchen, während sie gleichzeitig sehr gute Schulleistungen liefern muss, um eine Chance auf eine bessere Zukunft zu haben. Trotz dieser Hindernisse ist sie nicht die typische Figur, die ihr Leben für das Wohl der Familie opfert. Sie weiß, was sie will, und setzt alles daran, ihren Traum zu verwirklichen: Psychologie zu studieren. Gleichzeitig führt Dom aber auch ein ganz klassisches Teenagerleben und ist in einen der beliebtesten Jungen der Schule verknallt.

Ihr Liebesleben und die finanzielle Situation kollidieren, als die Schwester nach einem Unfall ihren Job verliert und es an Dom liegt, die Familie vor der Zwangsräumung zu bewahren: Sie soll einen Bekannten heiraten, ihm so den Aufenthalt in den USA ermöglichen und im Gegenzug dafür 10.000 Dollar verdienen – sie steht vor einer schwierigen Entscheidung.

Und es ist auch Dom, die eine der stärksten Momente der gesamten Serie hat. „Kann ich meine verletzliche Seite zeigen?“, fragt sie bei einem Bewerbungsgespräch für ein Praktikum. In einer spontanen Rede benennt Dom konkret die Probleme, denen Menschen wie sie täglich begegnen – Menschen aus ökonomisch prekären Verhältnissen, Einwanderfamilien, Schwarze Frauen. Dom verweist auf ihren täglichen Struggle und darauf, dass es ihr dennoch nicht erlaubt ist, Wut zu zeigen. Die Szene ist ohne Schnitt gefilmt und überaus emotional gespielt von Odley Jean, die Dominique generell großartig verkörpert. Allein für diese Szene lohnt es sich, „Grand Army“ zu schauen.

Die erste und vorerst letzte Staffel von „Grand Army“ ist auf Netflix zu sehen.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 05/21

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