Alternativlos

In ihrem Spielfilmdebüt erzählt Regisseurin Maryam Touzani von ungewollter Schwangerschaft.

15.11.21 > Film & Serien,

Von Amina Aziz

Hochschwanger ist Samia (Nisrin Erradi) in den schmalen Gassen von Casablanca auf der Suche nach einer Arbeit und Bleibe. Ihr Dorf musste sie verlassen, von ihrer Schwangerschaft weiß niemand. Ihrer Familie hat sie erzählt, dass sie in einem Kosmetiksalon arbeitet und dass es ihr gut geht. In Wirklichkeit geht es ihr alles andere als gut. Niemand ist bereit, ihr auszuhelfen, bis sie auf Abla (Lubna Azabal) trifft, die aus dem Fenster ihrer Küche heraus hausgemachte Backwaren verkauft. Selbst prekär lebend, ringt sie sich dazu durch, Samia bis nach der Geburt Unterschlupf zu gewähren. Abla ist distanziert im Umgang mit Menschen und auch sehr streng zu ihrer achtjährigen Tochter

Warda (Douae Belkhaouda), benannt nach der großen algerischen Sängerin, deren Musik Abla nach dem Tod ihres Mannes aufgehört hat zu hören. Samia und Warda verstehen sich und außerdem macht Samia hervorragende Rzizas, eine Art Pfannkuchen, die sich wunderbar verkaufen. Die beiden bringen Abla dazu, wieder Fröhlichkeit in ihr Leben zu lassen. Gleichzeitig jedoch rückt auch die Geburt immer näher und Samias Wunsch verfestigt sich: Sie möchte das Kind direkt zur Adoption freigeben. Als es am Tag des Opferfests zur Welt kommt, haben die Behörden aufgrund des Feiertags geschlossen und Samia ist gezwungen, das Neugeborene zu behalten. Sie verflucht ihre Situation und fragt sich, ob und wie sie eine Verbindung zum Baby aufbauen soll.

Missy Magazine 06/21, Filmaufmacher, Alternativlos
© Grandfilm GmbH

Die für ihre Dokumentar- und Kurzfilme ausgezeichnete Regisseurin und Drehbuchautorin Maryam Touzani arbeitet in „Adam“ eigene Erfahrungen auf: Der Tod ihres Vaters, ihre Schwangerschaft und auch die Begegnung mit einer Schwangeren, die eines Tages an der Tür ihrer Eltern klopfte, dienten ihr als Grundlage. Gelungen ist ihr ein intimes Porträt herzlicher Solidarität und Freundinnenschaft, das sich unterstützend in die lange Tradition starker feministischer Kämpfe in Marokko einreiht. Verständnisvoll zeigt Touzani dabei die Zweifel einer neuen Mutter im Kontext patriarchaler Verhältnisse, die Frauen benachteiligen. Wo es Armut und keine Unterstützung gibt, ist auch die Entscheidung über Mutterschaft keine freie.

„Adam“ MA / FR 2019Regie: Maryam Touzani. Mit: Lubna Azabal, Nisrin Erradi u. a., 98 Min., Start: 09.12.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 06/21.

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