Von Agata Hofrichter

Was ist brasilianischer Kultur eigen? In der ehemaligen portugiesischen Kolonie fragten sich das viele, auch die Grupo dos Cinco. Ab 1922 markierten die Malerinnen Tarsila do Amaral und Anita Malfatti mit den Autoren Mário de Andrade, Oswald de Andrade und Menotti Del Picchia eine kurze Sternstunde der brasilianischen Moderne.

Malfatti und do Amaral bannten den ländlichen Obstmarkt, die tropische Flora in geometrische Formen, teils mit typischen Kulturverweisen: Das nur scheinbar harmlose Wesen in do Amarals „A Cuca“ ist eine kinderraubende Folklore-Hexe.

Argentinien: In der Semana Tragíca, der Tragischen Woche, wurden Arbeiter*innenproteste blutig niedergeschlagen. Hunderte starben. Die Artistas del Pueblo gründeten sich infolgedessen mit dem Anspruch, ihre Klasse würdevoll darzustellen. Zwischen ihnen und den Martínfierristas entbrannte in den 1920er-Jahren eine Polemik, die legendär werden sollte. Mittels Text und Bild entwarfen Letztere eine kosmopolitische argentinische Moderne. „Wir nutzen jeden Morgen schwedische Zahnpasta, französische Handtücher und englische Seife“, heißt es lakonisch in ihrem Manifest. Missy Magazine 06/21, Kunstaufmacher, Better Together Tarsila do Amaral (Capivari, Staat São Paulo 1886 – São Paulo 1973)
Der …