Kein Happy End

Dorottya Rédai und ihre Kolleg*innen wurden weltweit zu Symbolfiguren im Kampf gegen ein regressives System.

Von Katrin Kremmler

Die Rechten halten sich dieses Jahr zurück, hier in Budapest gibt es für sie gerade nichts zu gewinnen. In den Anfängen war der Pride ein Community-Event mit einigen Hundert Teilnehmer*innen.

Seit 2010 ist er für viele progressive Budapester*innen eine Möglichkeit, „unpolitisch“, also ohne Parteinahme für eine politische Partei, gegen die Orbán-Regierung zu protestieren, ein weitverbreitetes Verständnis von Politik in Ungarn. Seit 2010 haben auch die Parteien der demokratischen Opposition den Pride als Plattform für sich entdeckt und ihre Anhänger*innen zur Teilnahme aufgerufen. So kamen seit 2010 von Jahr zu Jahr mehr, in den besten Jahren 10.000. Aber 30.000 sprengt alle historischen Dimensionen. 2022 sind wieder Wahlen. Nach elf Jahren gesellschaftlicher Polarisierung unter Orbán sind Paralleluniversen entstanden, Freund*innenkreise haben sich gespalten, der Bruch führt mitten durch Familien. Die Menschen sind müde, bei einem Teil der Bevölkerung wächst die Sehnsucht nach einer offenen, solidarischen, vielfältigen Gesellschaft und einem demokratischen Politikstil statt Korruption und Propaganda.

Für progressive Budapester*innen liegt Aufbruchsstimmung in der Luft. Aber das ist nicht repräsentativ für das ganze Land. Das urbane, progressive Budapest ist seit 2010 von der Fidesz-Partei zum Feindbild der Regierungsanhänger*innen in der Provinz aufgebaut worden, und obwohl das Oppositionsbündnis auch in der Provinz zulegt, ist dort vor allem Fidesz-Territorium. Bilder dieser Menschenmassen werden die Haushalte nicht erreichen, die sich nur aus den Staatsmedien informieren. Denn die sind gleichgeschaltet, oppositionelle Veranstaltungen selbst dieser Größenordnung werden unterschlagen, seit Jahren schon. Und während in der ungarischen Hauptstadt 30.000 Menschen feiern und für einen Tag die Illusion von Freiheit und Wechsel genießen, marschieren einige der rechtsextremen Gruppierungen, die sonst traditionell gegen den Pride demonstrieren, im Dorf Jászapáti östlich von Budapest zu einer „Stärkedemonstration“ gegen die dortige Romabevölkerung auf.

Auf dem Pride-Banner von Labrisz, der ersten ungarischen L…