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Kein Happy End

Dorottya Rédai und ihre Kolleg*innen wurden weltweit zu Symbolfiguren im Kampf gegen ein regressives System.

15.11.21 > Aktivismus,

Von Katrin Kremmler

Die Rechten halten sich dieses Jahr zurück, hier in Budapest gibt es für sie gerade nichts zu gewinnen. In den Anfängen war der Pride ein Community-Event mit einigen Hundert Teilnehmer*innen. Seit 2010 ist er für viele progressive Budapester*innen eine Möglichkeit, „unpolitisch“, also ohne Parteinahme für eine politische Partei, gegen die Orbán-Regierung zu protestieren, ein weitverbreitetes Verständnis von Politik in Ungarn. Seit 2010 haben auch die Parteien der demokratischen Opposition den Pride als Plattform für sich entdeckt und ihre Anhänger*innen zur Teilnahme aufgerufen. So kamen seit 2010 von Jahr zu Jahr mehr, in den besten Jahren 10.000. Aber 30.000 sprengt alle historischen Dimensionen. 2022 sind wieder Wahlen. Nach elf Jahren gesellschaftlicher Polarisierung unter Orbán sind Paralleluniversen entstanden, Freund*innenkreise haben sich gespalten, der Bruch führt mitten durch Familien. Die Menschen sind müde, bei einem Teil der Bevölkerung wächst die Sehnsucht nach einer offenen, solidarischen, vielfältigen Gesellschaft und einem demokratischen Politikstil statt Korruption und Propaganda.

Für progressive Budapester*innen liegt Aufbruchsstimmung in der Luft. Aber das ist nicht repräsentativ für das ganze Land. Das urbane, progressive Budapest ist seit 2010 von der Fidesz-Partei zum Feindbild der Regierungsanhänger*innen in der Provinz aufgebaut worden, und obwohl das Oppositionsbündnis auch in der Provinz zulegt, ist dort vor allem

Fidesz-Territorium. Bilder dieser Menschenmassen werden die Haushalte nicht erreichen, die sich nur aus den Staatsmedien informieren. Denn die sind gleichgeschaltet, oppositionelle Veranstaltungen selbst dieser Größenordnung werden unterschlagen, seit Jahren schon. Und während in der ungarischen Hauptstadt 30.000 Menschen feiern und für einen Tag die Illusion von Freiheit und Wechsel genießen, marschieren einige der rechtsextremen Gruppierungen, die sonst traditionell gegen den Pride demonstrieren, im Dorf Jászapáti östlich von Budapest zu einer „Stärkedemonstration“ gegen die dortige Romabevölkerung auf.

Auf dem Pride-Banner von Labrisz, der ersten ungarischen Lesbenorganisation, steht traditionell Látható Leszbikusok, „sichtbare Lesben“. Dieses Jahr gibt es ein neues Banner mit dem Slogan „Märchenland gehört allen“. Es ist das Cover des von Labrisz herausgegebenen inklusiven Märchenbuchs. Ursprünglich war es als Community-Publikation gedacht. Labrisz, 1999 gegründet, hat in den letzten zwanzig Jahren mehrere Bücher in kleinen Auflagen veröffentlicht, wie Übersetzungen der englischsprachigen feministischen Klassiker. Bedarf an inklusiven Märchenbüchern gibt es bei den ungarischen Regenbogenfamilien. Aber es ging Labrisz nicht nur um queere Neudichtungen bekannter Märchen, sondern darum, ein breites Spektrum gesellschaftlicher Schieflagen abzubilden – von Menschen zu erzählen, die es schwerer haben, ihren Platz in der Welt zu finden, wie es im Pressetext heißt. So geht es um Armut, sexuelle Gewalt, Krankheit, Rassismus und Eltern mit Suchterkrankungen. Was auf den ersten Blick befremdlich klingt – was ist etwa eine kindgerechte Darstellung einer Vergewaltigung? –, funktioniert in der Umsetzung erstaunlich gut. Und außer menschlichen Protagonist*innen – das Mädchen, das zur kühnen Heldin wird, der Prinz, der lieber den Prinzen heiraten will – gibt es auch einen Hasen mit drei Ohren und einen kleinen Rehbock, dem einfach kein Geweih wachsen will. Und weil es ein Märchenbuch ist, findet sich für alle eine Lösung.

Missy Magazine 06/21, Reportage, kein Happy End
©Tea Erdélyi

Die stilistische Vielfalt und kreative Übersetzung von Märchenstoffen in die Gegenwart machen den Reiz des Buches genauso aus wie auch die liebevollen, im Genre klassischer Märchenbücher gehaltenen Illustrationen. Unter den Autor*innen der 17 Beiträge sind teils bekannte Literat*innen wie die Autorin und Theaterkritikerin Andrea Tompa, aber auch absolute Newcomer*innen. Es war als reines Community-Projekt gedacht – doch es kam anders. Eine prominente Abgeordnete der rechtsextremen Partei Mi Hazánk Mozgalom jagte ein Exemplar des Buches medienwirksam durch den Schredder („Märchenland gehört nicht den Abnormalen“; „Homosexualität ist nicht Teil der ungarischen Kultur“) und machte es fast über Nacht zum nationalen Bestseller mit für Ungarn astronomischen 30.000 Exemplaren.

Seit Juni 2021 ist das Buch offiziell „LGBT- Propaganda“ und muss in den Buchläden entsprechend gekennzeichnet sein, dank eines „Kinderschutz“-Gesetzes nach russischem Vorbild, das Homosexualität und Transidentität mit Pädophilie gleichsetzt. Das wiederum trieb die Verkaufszahlen weiter in die Höhe, das Buch zu kaufen wurde zum Akt des Widerstands für die urbanen liberalen Milieus. Mittlerweile erscheint es in der vierten Auflage. Es wurde ins Niederländische übersetzt und wird dieses Jahr noch auf Slowakisch und Polnisch erscheinen; 2022 auf Finnisch, Schwedisch, Englisch, und auch auf Deutsch – veröffentlicht vom „Stern“. Dorottya Rédai als Koordinatorin des Projekts kann sich derzeit vor internationalen Medienanfragen kaum retten, jettet von einer internationalen Veranstaltung zur nächsten – alles ehrenamtlich neben der Arbeit – und wurde kürzlich vom „Time Magazine“ zu einem der hundert einflussreichsten Menschen 2021 gewählt.

„Wie fühlt sich das an?“, frage ich sie, und sie lacht: „Schon etwas surreal.“
Dorottya und ich kennen uns seit fast zwanzig Jahren, ich war früher selbst aktives Labrisz-Mitglied. Aber bei ihrem vollen Terminkalender ist es heutzutage auch für mich gar nicht einfach, ein Zoom-Interview mit ihr zu ergattern. Die internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung für die Arbeit ihres Teams – denn natürlich steht ein ganzes Team dahinter, sie ist nur die Koordinatorin – tut gut, aber, sagt sie, befeuere auch direkt die Propagandamaschinerie der Regierung. Diese Form der internationalen Anerkennung ist Symbolpolitik, und darum von der Fidesz-Propaganda direkt kooptierbar, als empirischer Beweis einer „liberalen“ Weltverschwörung gegen Ungarn und als neue diskursive Munition für weitere diskriminierende Maßnahmen gegen die ungarische LGBTIQ- Community und andere Minderheiten im Land. Warum nun aber diese ganze Aufregung um ein Märchenbuch? Seit 2010 ist Ungarn eine „illiberale Demokratie“ mit einem von der Regierung verordneten neuen Gesellschaftsvertrag, dem sogenannten „System der nationalen Kooperation“ (Nemzeti Együttműködés Rendszere, NER). „Nationale Kooperation“ ist die legitimierende Ideologie für state capture – die Übernahme des Landes durch Fidesz – der staatlichen Institutionen, der Wirtschaft, der wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen, der Energieversorgung, der logistischen Infrastruktur, der strategischen Industriebranchen, der Zivilgesellschaft. Alles, was strukturell relevant, ökonomisch rentabel ist oder symbolpolitischen Mehrwert hat, wurde in den letzten Jahren nach und nach von Fidesz bzw. Fidesz-nahen Akteur*innen übernommen. Teil davon ist eine beispiellose gesellschaftliche Umverteilung durch Steuergeschenke zur Schaffung einer neuen Mittelschicht, legitimiert durch eine Ideologie, die majoritären Konsens stiftet oder stiften soll. So geht es bei den Gesetzen des NER nicht nur um die politische und wirtschaftliche, sondern eben auch um die kulturelle Hegemonie.

Missy Magazine 06/21, Reportage, kein Happy End
©Tea Erdélyi

Was sich von außen als „konservativer Backlash“ präsentiert, ist seit 2010 ein politisch gewolltes und gesteuertes Projekt der gesellschaftlichen und kulturellen Polarisierung in ein „nationales“ und ein „liberales“ Lager und der Verdrängung progressiver Akteur*innen und ihrer Inhalte aus dem öffentlichen Leben. Diese sind wohlgemerkt keine einheitliche Gruppe, sondern ein in sich zersplittertes Spektrum von links/antikapitalistisch über linksliberal zu neoliberal, und sie werden seit 2010 systematisch aus allen Positionen verdrängt, in denen sie politische und/oder ökonomische Macht bzw. kulturelle und wissenschaftliche Deutungshoheit haben – also aus allen staatlichen Institutionen, aus den Medien, aus Kultur und Wissenschaft. Die wenigen oppositionellen Medien funktionieren heute über Crowdfunding, die ungarische Öffentlichkeit findet seit Jahren auf Facebook statt. Die Staatsmedien – Fernsehen, Radio, Print- und Onlinemedien, Außenwerbung – sind zu einer Propagandamaschinerie ausgebaut, die der Gesellschaft auf allen Kanälen Feindbilder anbietet, um sie auf einem hohen Erregungslevel und in einem ständigen Krisenmodus zu halten mit der „liberalen Weltverschwörung“ und den von ihr unterstützten Minderheiten als Bedrohung der Mehrheit und NER als einziger Lösung.

Anti-Gender, Homo- und Transfeindlichkeit sind nur ein Teil des NER-Feindbildspektrums. Ab 2015 galt die Hetze Geflüchteten, seit 2020 ist die LGBTIQ-Community an der Reihe und aktuell wieder mehr die Geflüchteten aus Afghanistan. Orbán spielt mit der EU, seine Strategie ist genau kalkuliert. Er weiß, dass die Aufmerksamkeit des linksliberalen Brüssel mit LGBTIQ- Themen abzulenken ist, unter dem Applaus der europäischen Rechtspopulist*innen, die sich mittlerweile auch transatlantisch als kulturelle Konterbewegung zur sogenannten „Wokeness“ formieren. Orbán benutzt den Begriff explizit als Kampfbegriff, so kürzlich auf dem 4. Budapester Demografiegipfel vor dem ehemaligen republikanischen US-Vizepräsidenten Mike Pence.

Derweil wird die massive Aushöhlung von Arbeitnehmerrechten in Ungarn von Brüssel toleriert. Denn die Wirtschaft – einschließlich westlicher und deutscher Investor*innen – und der neue Mittelstand profitieren vom System. Viele Fidesz-Wähler*innen sind mittlerweile nicht mehr unbedingt ideologisch überzeugt, sehen aber derzeit wirtschaftlich keine realistische Alternative. Seit 2010 war ein Wechsel noch nie so aussichtsreich wie jetzt. Aber im Fall eines Regierungswechsels erbt die neue Regierung einen völlig entkernten Staat und die Staatsverschuldung, während die Wirtschaft zum Großteil der NER-Oligarchie gehört. Diese hat sich seit 2010 mit EU-Geldern zu einer multinationalen Konzernstruktur ausgebaut, vergrößert nun ihren regionalen Einfluss auf dem Balkan, orientiert sich nach Russland und China, erschließt neue Märkte in Zentralasien und baut ihren geografisch-logistischen Standortfaktur als Tor der asiatischen Wirtschaft zur EU aus. Auch die deutschen Konservativen und die deutsche Wirtschaft gehören zu den Hauptunterstützenden des Orbán-Regimes.

2021 fand zum ersten Mal ein Pride auch außerhalb der Hauptstadt statt, in der Universitätsstadt Pécs in Südungarn. Der Pécser Ortsverband der rechtsextremen Partei Mi Hazánk Mozgalom hat die Organisator*innen nach dem „Kinderschutzgesetz“ verklagt – weil Teilnehmer*innen am Pride ihre eigenen Kinder mitgebracht hatten. Seit das Gesetz in Kraft ist, mehren sich auch Anzeigen wegen queerer Inhalte beim Medienrat. Und das Märchenbuch wurde kürzlich von einem Fidesz-Stadtrat einer Kleinstadt höchstpersönlich aus der Stadtbibliothek entfernt – als Reaktion auf eine Anzeige aus der Bevölkerung. Der Verband ungarischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare hat schriftlich protestiert. Mehrere Pädagog*innen, zumeist Gymnasiallehrer*innen für Literatur und Theater, haben – größtenteils anonym – in den oppositionellen Medien gegen das „Kinderschutzgesetz“ Stellung bezogen und Widerstand angekündigt: Konsequenterweise müssten sie die Hälfte des internationalen Literaturkanons zensieren bzw. ihren Schüler*innen jedes Gespräch über die Inhalte verweigern. Aber damit eine solche Kritik jenseits der elitären „liberalen“ Blase breitere gesellschaftliche Folgen haben kann, müssten sich auch Biologie- und Religionslehrer*innen aus den Mittelschulen zu Wort melden. Und wer heutzutage seinen Job behalten will, wird sich hüten, das zu tun.

Immer wieder veranstaltet die Regierung „Nationale Konsultationen“, „Volksentscheide“ per Fragebogen zur Legitimierung ihrer Regierungspolitik, die zum Großteil von den eigenen Anhänger*innen beantwortet werden. In der letzten dieser „Konsultationen“ konnte auch Stellung zum neuen „Kinderschutzgesetz“ bezogen werden. Die Frage dazu lautete: „Von György Soros finanzierte Organisationen haben wegen des Kinderschutzgesetzes einen breiten internationalen Angriff auf Ungarn gestartet. Dieses Gesetz verbietet an Kinder gerichtete Propaganda sexuellen Inhalts in Kindergärten, Schulen und von Kindern erreichbaren Medien.“ Anzukreuzen war „Ich finde es richtig, dass das Gesetz die an Kinder gerichtete sexuelle Propaganda einschränkt“ bzw. „Die an Kinder gerichtete Propaganda mit sexuellem Inhalt beinhaltet kein Risiko, ein Verbot ist deshalb nicht erforderlich“. Das Ergebnis der über eine Million abgegebenen Stimmen fiel erwartungsgemäß aus, 97 Prozent zu 3 Prozent. Die Erhebungen sind selbstredend nicht repräsentativ und weder transparent noch nachprüfbar. Viele ungarische Regenbogenfamilien versuchen zunehmend, ins Ausland zu ziehen. Man will die eigenen Kinder nicht der Gehirnwäsche der staatlichen Schulen aussetzen. In den neuen Schulbüchern steht bspw., dass Homosexualität „nicht natürlich“ sei. Die Geschichte von einer solchen ungarischen Regenbogenfamilie, ihrem Leben unter Orbán und ihrem neuen Zuhause im Ausland erzählt etwa der wunderbare Dokumentarfilm „Her Mothers“, der gerade erfolgreich auf internationalen Festivals läuft.

Missy Magazine 06/21, Reportage, kein Happy End
©Adrián Zoltán

„Wie geht es nun weiter?“, frage ich Dorottya Rédai. Es gibt in Budapest seit den 1990er-Jahren eine gewachsene LGBTIQ-Infrastruktur, ein Netzwerk von NGOs mit Aktivist*innen aller Altersgruppen. Als Reaktion auf das neue Gesetz haben sich die NGOs seit dem Sommer mit den wichtigsten in Ungarn ansässigen Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen wie Amnesty International und Helsinki Committee zu einer neuen Koalition zusammengeschlossen. Denn natürlich ist es Teil der NER-Strategie, die Energie der LGBTIQ-NGOs mit ihren meist ehrenamtlichen Aktivist*innen durch Diffamierungen in den Medien, Shitstorms, Prozesse und Klagen zu binden und sie zu zermürben. „Sie wollen, dass wir uns rund um die Uhr nur mit ihnen beschäftigen“, sagt Dorottya Rédai. In der Koalition werden sie in der nächsten Zeit viel Energie in Kommunikation und internationale Lobbyarbeit investieren und Kampagnen und Events organisieren – und zwar landesweit, auch in der Provinz, auf Fidesz-Territorium. Labrisz bietet seit zwei Dekaden ein Aufklärungsprogramm für Schulen an, initiiert von erfahrenen Pädagog*innen, und gibt Informationsmaterial für den Schulunterricht heraus. All das wird durch das neue Gesetz nun unmöglich gemacht.
„Wir sind natürlich dabei, uns Alternativen auszudenken“, sagt Dorottya. „Da sind wir ganz pragmatisch. Wenn wir nicht mehr in die Schulen dürfen, sprechen wir eben Lehrer*innen und Eltern an.“ Unterrichtsmaterialien für die Lehrer*innenfortbildung geben sie seit 2017 heraus, die müssen jetzt überarbeitet werden. „Die Regierung bürdet den Eltern durch das Gesetz die ganze Aufgabe der Sexualerziehung auf, damit sind viele überfordert, oder es ist ihnen peinlich. Wir werden Angebote erarbeiten, die ihnen dabei helfen.“ Durch die Covid- Situation wurde ihre Arbeit gestoppt. „Aber es hatte auch sein Gutes“, meint Dorottya Rédai, „so mussten wir uns in die Onlinebildung einarbeiten – und das können wir jetzt.“

Zivilgesellschaftliche queere Räume wurden in Budapest seit knapp dreißig Jahren aufgebaut. In den 2000er-Jahren gab es gerade für Frauen noch wesentlich mehr Möglichkeiten und einige privat betriebene Cafés. Sie sind der Gentrifizierung der Innenstadt zum Opfer gefallen oder konnten sich wirtschaftlich nicht halten. Die vor einigen Jahren neu gegründete feministische Bibliothek Közkincs Könyvtár mit englischsprachigen Büchern geht auf eine private Initiative zurück. Die Räume von Labrisz sind im VIII. Bezirk. Seit dieser von der Opposition von Fidesz zurückgewonnen wurde, ist eine gute Kooperation mit dem Bezirksamt entstanden. Nun will Labrisz sich vergrößern, in Räume, die nicht nur als Büro, sondern auch für Veranstaltungen geeignet sind. Es soll ausdrücklich ein Community Space werden, der auch von anderen Initiativen im Bezirk genutzt werden kann, ein derzeit in Budapest einzigartiges Konzept. Der Bezirk hat Labrisz Räume zu günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt, die aber noch in Eigenregie renoviert werden müssen. Die Eröffnung ist für Anfang 2022 geplant.

2022 soll auch das Märchenbuch auf Deutsch erscheinen. Sobald die Verkaufszahlen ein entsprechendes Level erreichen, sodass Tantiemen an Labrisz fließen, gehen diese Einnahmen direkt in deren Projekte und in dieses neue Zentrum. „Mit Menschen wie Dorottya Rédai und ihren Kolleg*innen an vorderster Front im Kampf um Gleichberechtigung können wir weiter an ein Happy End glauben“, schreibt die deutsche grüne Europaabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Terry Reintke im „Time Magazine“.
Glauben ist gut, tatkräftige Unterstützung für marginalisierte Communitys in autoritären Systemen jenseits westlicher Symbolpolitik noch besser. Angesichts von vier weiteren Jahren Orbán mit politischer Unterstützung des Großteils der deutschen Konservativen und der deutschen Wirtschaft dürfte es für die ungarische LGBTIQ-Community in den kommenden Jahren härter werden denn je.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 06/21.