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Text me to stay in touch!

Der Musiker Helado Negro wandte sich während der Pandemie an die Außenwelt, statt sich zurückzuziehen.

15.11.21 > , Musik

Von Timo Posselt

Eine Ampel, 1800 Einwohner*innen und eine weltbekannte Kunstszene: Das Städtchen Marfa in Texas war während der ersten Covid- 19-Welle die Wahlheimat von Helado Negro.

Der ecuadorianisch-US-amerikanische Musiker war für eine Residency gekommen und blieb, weil die Pandemie zuschlug. Doch statt sich zurückzuziehen, wandte sich Helado Negro an die Außenwelt. In seiner ersten Bandcamp- Nachricht an seine Fans teilte er einen neuen Soundcloud-Mix und wünschte allen Liebe und Ruhe, die eine heftige Woche hatten. Das galt im März 2020 für so ziemlich alle, doch es wurde noch schlimmer. Als die Ansteckungszahlen explodierten und die Aussichten sich verdüsterten, meldete sich Helado Negro noch einmal. Er schickte seine Nummer und schrieb: „Text me to stay in touch!“ Auf dem mitgeschickten Foto quollen seine dunklen Locken unter der Kapuze hervor, der texanische Himmel leuchtete blau und aus dem silbernen Overall strahlte Helado Negro genau das aus, was wir damals am allernötigsten hatten: Zuversicht. Was damals galt, gilt heute auch für sein neues Album.

Missy Magazine 06/21, Typenparade, „Text me to stay in touch!“
© Nathan Bajar

Helado Negro wuchs als Sohn ecuadorianischer Eltern unter dem Namen Roberto Lange in Südflorida auf. Als Jugendlicher spielte er in Dutzenden Bands, vermischte Cumbia, Psychedelic und US-amerikanischen Folk, traute sich aber nicht zu singen. Erst als er sich mit Ende zwanzig den Namen Helado Negro („Schwarzes Eis“) gab, fand er seine Stimme und gab damit immer wieder auch seiner postmigrantischen Identität Ausdruck. Z.B. im Song „Young, Latin And Proud“. Der Slogan im Titel täuscht. Denn der Song ist zwar eine Latinx-Hymne, doch genauso zerbrechlich wie fast alle Stücke von Helado Negro: Statt mit Selbstbewusstsein zu klotzen, kleckert er lieber mit Optimismus. Das ist auf dem neuen Album „Far In“ nicht anders. Die texanische Sonne leuchtet, doch der Gute-Laune-Folk-Bär hat seine Gitarre gegen einen Synthesizer getauscht. Helado Negro lässt seinen Songs mehr Auslauf in Richtung HipHop-Beats und Eighties-Clubsounds. „Gemini And Leo“ z. B. dubbt wie ein Schlafwandler, während die Synthesizer zirpen und Helado Negros samtene Stimme den Neuanfang besingt, den wir gerade gut gebrauchen können.

Helado Negro „Far In“4AD

Dieser Text erschien zuerst in Missy 06/21.

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