Who you gonna call

In der Kinderserie „Meine Stadt der Geister“ sind vier coole Kids in L.A. als Ghost Team unterwegs.

15.11.21 > Film & Serien,

Von Dominique Haensell

Chef Jo, eine angehende Restaurantbetreiberin, versteht nicht, was es mit ihrem ständig laufenden Wasserhahn und dem verrückten Mobiliar auf sich hat. Eine Freundin rät ihr, das Ghost Team zu kontaktieren, eine Bande cooler Kids, die L.A.s Geister aufspüren. Jo ist skeptisch. „Es geht nicht ums Glauben oder so“, meint ihre Freundin. „Man muss einfach die Energie in einem Gebäude spüren, denn das Gebäude und das Grundstück haben eine Geschichte.“ Stadt aus Quarz, Stadt der Engel und jetzt Stadt der Geister: die Heimat der

Traumfabrik ist viel besungen. Hier geht es aber nicht um das L.A. der Superreichen oder den Glamour Hollywoods, sondern um das (ein-)gelebte, das kiezige Los Angeles der verschiedenen Neighbourhoods, um deren Bewohner*innen, Architektur und Geschichte.

Missy Magazine 06/21, Serienaufmacher
© Netflix

Von dieser teils vergessenen Geschichte erzählen die sechs Episoden von „Meine Stadt der Geister“. Durch die Augen der Detektiv*innen lernen wir Orte und Communitys kennen, von Boyle Heights bis Korea Town, von den nur vermeintlich ausradierten Spuren der indigenen Tongva, die das Los-Angeles-Becken als Erste besiedelten, bis zu den Anfängen der Skate-Kultur in Venice Beach. Trotz der allgegenwärtigen und brutalen Auswirkungen von Verdrängung und Gentrifizierung ist der Blick auf L.A. nie nostalgisch verklärt, eher sanft melancholisch und hoffnungsvoll. Quirlige Gespenster pochen darauf, in der Gegenwart gehört zu werden, lebendige kulturelle Praktiken wie Spoken Word, ein altes Gyoza-Rezept oder Oaxaca-Musik schlagen Brücken in die Vergangenheit der jeweiligen Neighbourhood.

Serienschöpferin Elizabeth Itos Liebe zur ihrer Heimatstadt merkt man der Serie ebenso an wie den Respekt vor ihrem jungen Publikum: Die Serie ist niedlich und visuell spannend, mit knuffig animierten Figuren vor teils fotorealistischem Hintergrund. Die vier Kinder sind gleichberechtigt in ihrer Geisterleidenschaft, jedoch grundverschieden in ihren Skills und Backgrounds. Ein nicht-binäres Kind klärt gleich zu Anfang über seine Pronomen auf – nicht nur hier zeigt sich, wie gelungen die deutsche Übersetzung von Comiczeichner*in Illi Anna Heger ist.

Die Stadt als Palimpsest, als Dokument einer sich ständig überschreibenden Geschichte: Diese Idee wurde selten so schön umgesetzt wie hier – für Kinder und Erwachsene.

„Meine Stadt der Geister“ (ab 0) läuft auf Netflix.

Dieser Text erschien zuerst in Missy 06/21.

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