Helldunkel

In „Passing“ setzt das Verbergen von Wahrheiten zerstörerische Kräfte frei.

Von Yuki Schubert

Eine Zufallsbegegnung bringt die ehemaligen Schulfreundinnen Rene (Tessa Thompson) und Clare (Ruth Negga) in den späten 1920ern in New York wieder zusammen. Die beiden afroamerikanischen Frauen treffen sich in einem gehobenen Hotel in Manhattan mit weißer Klientel. Die Restriktionen gegen Schwarze Menschen sind dort auch ohne Schilder bekannt, aber beide gehen durch ihren relativ hellen Hautton als Weiße durch. Während Rene jedoch wieder nach Harlem zurückkehrt, verbleibt Clare in ihrem „blassen Leben“. Es erscheint als Ironie einer zu perfekten Maske, dass Clares weißer, wohlhabender Ehemann John ihre Schwarze Identität nicht erkennt und obendrein ein offener Rassist ist. Für sie ist

die Begegnung mit Rene die Möglichkeit, sich wieder mit ihrem Schwarzen Ich zu verbinden. Denn Rene lebt die Harlem Renaissance, ist an dem Ort für Afroamerikaner*innen in den USA, umgeben von Schwarzen Intellektuellen und Künstler*innen. Sie ist mit dem charmanten Arzt Brian (André Holland) verheiratet, hat zwei besonnene Söhne, eine tüchtige Haushaltshilfe, einen großen Freund*innenkreis und bringt sich mit Wohltätigkeitsarbeit in ihrer Gemeinschaft ein. Doch ihr stabiles Umfeld zerbröckelt schneller, als sie es sich je hätte vorstellen können.

Missy Magazine 01/22, Filmaufmacher Helldunkel
PASSING – (PICTURED) RUTH NEGGA as CLARE. Netflix © 2021

Der Film „Passing“ (deutscher Titel: „Seitenwechsel“) basiert auf d…

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