Seitennavigation Katze
Seitennavigation Menu IconMENU
Seitennavigation Search Icon

Die Not ausnutzen

Über den Zusammenhang von Krieg und Menschenhandel.

09.05.22 >

Von Sonja Dolinsek

März 2022: Hunderte von Freiwilligen engagieren sich am Berliner Hauptbahnhof, um die Flüchtenden aus der Ukraine zu empfangen, doch nicht alle waren da, um zu helfen. Es gab Berichte über ältere Männer und „zwielichtige Gestalten“, die ihre Hilfe nur jüngeren Frauen angeboten hätten. Die „Emma“ berichtete prompt: „Zuhälter warten schon“, und machte damit wieder gegen die Legalität der Sexarbeit in Deutschland Stimmung. Auch andere Medien folgten: „Kriminelle aus dem Rotlichtmilieu könnten die Notsituation

ausnutzen“, berichtete der „rbb“. Doch was es mit Menschenhandel und Krieg auf sich hat, ist unklar. Fangen wir also von vorne an.

Was ist Menschenhandel? Die international geltende Definition findet sich im sogenannten Palermo Protokoll von 2000. Grob zusammengefasst bedeutet Menschenhandel, dass eine Person mittels Gewalt, Täuschung oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit beherbergt, rekrutiert oder transportiert wird, mit dem Ziel, anschließend ausgebeutet zu werden. Die Ausbeutung kann in vielen Branchen stattfinden, also nicht nur im Bereich der Prostitution, sondern in vielen Zweigen des Niedriglohnsektors: Land- und Fleischwirtschaft, Bau, Haushalt, Dienstleistungen verschiedener Art. Nicht die Art der Arbeit ist hier relevant, sondern der Grad der Ausbeutung. Dieser Begriff von Menschenhandel geht davon aus, dass die Straftat vor allem durch Netzwerke organisierter Kriminalität ausgeübt wird, aber nicht durch staatliche Akteure. Polizei und Gerichte betrachten nicht jede Ausbeutung als Menschenhandel.