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In Scherben

Was bedeutet der Krieg für den Feminismus und für Frauen? Ein Gespräch mit der Aktivistin Olena Shevchenko.

09.05.22 > Aktivismus,

Interview: Saskia Reis

Vor 13 Jahren hast du die LGBTQIA-Organisation Insight gegründet. Wie kam es schließlich zur Gründung der Initiative Marsh Zhinok?
Ich habe nie unterschieden zwischen meiner Identität als homosexueller Person und meinem Frausein, mein Selbstverständnis war immer das einer Feministin. Marsh Zhinok war von Beginn an eine feministische Initiative, die sich für Frauenrechte einsetzt. Wir betrieben zunächst Interessenvertretung, arbeiteten mit Ministerien und internationalen Partner*innen, veröffentlichten Analysen. Aber es gab keine verbindende Dachorganisation, die Frauenorganisationen miteinander vernetzt. 2018 hatte ich daher

die Idee, eine große, sichtbare, alle Kräfte bündelnde Aktion, den Frauenmarsch, zu starten. Für den 08. März hatten wir den bisher größten Marsch in verschiedenen Städten der Ukraine geplant. Der Krieg hat all das zunichte gemacht. Nichtsdestotrotz sind wir als so reichweitenstarke Fraueninitiative verantwortlich und es ist unsere Pflicht, Betroffenen nun Hilfe zu leisten. Täglich erhalten wir mehr als zweihundert Anfragen.

Was sind die Ziele von Marsh Zhinok?
Wir wollen den Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu Feminismus anbieten. Jedes Jahr aufs Neue all die unterschiedlichen Frauenorganisationen für den Frauenmarsch zusammenzubringen, ist extrem zeit- und kraftaufwendig, denn nicht alle Feminist*innen teilen dieselben Interessen und Ansichten. Die schwierigste Hürde ist es, all die verschiedenen Stimmen an einen Tisch bzw. auf einen konstruktiven gemeinsamen Marsch zu bekommen. Die Frauen, die sich aktuell hilfesuchend an uns wenden, sind meist keine Feministinnen, aber wir hoffe…