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Viriler Superschurke

Katja Brunner hat Shakespeares Richard III. als Frau neu geschrieben.

09.05.22 > , Theater

Interview: Sabine Rohlf

Dein Stück ist eine Überschreibung eines s der prominentesten Stücke der Theatergeschichte. Warum gerade dieser Shakespeare-Schurke?
Das war eine Idee von Regisseurin Pınar Karabulut, mit der ich in Berlin schon zusammengearbeitet hatte. Sie wünschte sich eine Zeitgenössisierung mit einer Umkehr der Titelfigur. Auch, weil Richard III. im Theaterkontext so die Lars- Eidinger-Superrolle für den virilen Charakterdarsteller ist. Deswegen hatten wir umso mehr Bock auf die Umkehrung zum weiblich markierten Körper und die Frage, wie das den Text affizieren würde.

War es schwer?
Ach, es ist bereichernd, auf der Shakespeare’schen Sprache rumzuschrammen, sie auch kaputtzumachen oder zu emulieren, aber mit gegenläufigem Inhalt. Das bietet Steilvorlagen für sprachkritische Kaskaden. Die Frage, die mich am meisten umtrieb: Wie

gehen Darstellung und Text mit der Ambivalenz um? Wo kommt uns eine offen Gewalt befürwortende und ausführende, weiblich gelesene Person plausibel, gar realistisch vor und wo nicht? Stößt mensch damit in den lichten Raum ungeahnter Möglichkeiten vor? Also: Darstellung weiblicher Gewaltausübung nicht nur als Racheakt? Wo bin ich total d’accord, dass so eine gewaltausübende Figur weiblich markiert ist, wo merke ich, dass ich sie für unwahrscheinlich halte? Das ist so das eine, Bilder weiblicher Gewaltausübung – und vielleicht stellt die „Andersartigkeit“, unter der Richards Wesen schon bei Shakespeare steht, ohnehin ein bisschen Neutralität im Geschlecht her.

Wie wird verhindert, dass die Figur in der Umkehr hin zur Frau irgendwie stecken bleibt, also die Ambivalenz verliert?
Z. B., indem Richard im großen Eröffnungsmonolog deutlich macht: „Ich hab’ hier was vorbereitet und ich beobachte jetzt.“ Diese Spielanordnung, dieses Sozialexperiment wird in dieser Rahmung explizit marki…

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