U-Haul in Los Angeles

Was passiert, wenn zwei Personen im Prozess der Transition zu exzessiver Nähe gedrängt werden?

Von Frederik Müller

Eine Beziehung zwischen drei Liebenden, eine davon die Kamera“ – so beschreibt Cade Moga das Konzept von „Seek Bromance“, der fast vierstündigen Filmperformance von Samira Elagoz. Zu Beginn der Pandemie begeben sich die beiden Künstler in eine gemeinsame Abschottung, um in inszenierter Intimität ihren Zugang zur Transmaskulinität zu dokumentieren. Angereichert mit Tanzsequenzen sehen wir Interviews und Gespräche zwischen dem finnisch-ägyptischen Performer Elagoz und dem*der brasilianischen Künstler*in und Poet*in Cade Moga. Moga, im Film noch mit dem Pronomen er, beschreibt die Produktion heute als traumatisierend. Schematische Bildanordnung wechselt sich ab mit der Selfieperspektive, die Moga und Elagoz mit dem Handy filmen. Immer wieder

stoppt die Filmvorführung und Elagoz spricht live zum Publikum. Als Erzähler nimmt er Dramen vorweg und liefert seine Interpretation der Erlebnisse. Ausgangspunkt ist eine Onlinebegegnung zwischen Elagoz und Moga, die einige Jahre zurückliegt.

Cade, der*die damals begonnen hatte, männliche Gender auszuprobieren, nahm über Facebook Kontakt zu Sam auf. Dey wollte sehen, ob dey auch als ein Mann namens Aris Interesse und Aufmerksamkeit erwecken würde und nicht nur in Verkörperung der „Sexiest Latina of the World“. Den Titel hatte dey erhalten, als dey noch Brustimplantate trug und als Model arbeitete. Ihr Facebook-Kontakt wird zu einem E-Mail-Austausch. Sie flirten, philosophieren und planen ein Treffen, das Elagoz in einen Film verwandeln wird. Kurz bevor das Treffen stattfinden soll, schränkt die Corona- Pandemie die Reisefreiheit selbst derer ein, die europäische Reisepässe ihr Eigen nennen, Flughäfen schließen, Events fallen aus. Cade lädt den in Australien gestrandeten Samira nach Los Angeles ein, es begi…

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