Wider die Neutralität

In „Das weiße Denken“ seziert der Profifußballer Lilian Thuram das Fortwirken des Kolonialismus.

Von Daniela Chmelik

Lilian Thuram war Profifußballer. Lest trotzdem weiter! Er leistet antirassistische Aufklärungsarbeit und beschäftigt sich dabei besonders mit der Kategorie „weiß“: „Was bedeutet es eigentlich, ‚weiß‘ zu sein? Wie wird man weiß, da man ja nicht weiß geboren wird, wird man also erst dazu gemacht?“, fragt Thuram. „Zwar wird man es ohne sein eigenes Zutun, aber im Gegensatz zu nicht-weißen Menschen ist es zum eigenen Vorteil.“ Weißsein ist ein politisches Konstrukt. Thuram setzt seinen Fokus auf diejenigen, die von

Diskriminierung profitieren. Dabei macht er ständig die Erfahrung, dass Weiße sich angegriffen fühlen, wenn man sie auf ihr Weißsein anspricht, vor allem wenn sie männlich sind.

Lilian Thuram, Président de la Fondation "Education contre le racisme"
© CONSEIL DE I´EUROPE

In seinem kürzlich im Nautilus-Verlag erschienenen Buch „Das weiße Denken“ beschreibt er – sachlich und intensiv –, wie europäische Gesellschaften ihr Weißsein erfanden, indem sie Schwarzsein erfanden, um Versklavung und Ausbeutung zu rechtfertigen. Er beschreibt, wie der Kolonialismus bis heute fortwirkt, wie die Herrschaftsverhältnisse bis heute von der systematischen Herabsetzung nicht-weißer Menschen profitieren. Immer wieder zieht er Vergleiche zu…