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Unsere Autorin wuchs in einer Familie von Aktivist*innen auf.

Von Bahoz

Es war etwa ein Jahr vor meiner Geburt, als meine Eltern aufgrund von politischer Verfolgung ihre Heimat verließen. Als ich auf die Welt kam, lebten sie nicht mehr im Flüchtlingsheim und
hatten gerade begonnen, sich damit abzufinden, dass sie nicht mehr zurück können. Doch auch aus meinem Leben und dem meiner Geschwister war die Realität des Krieges und der Verfolgung nie wegzudenken. Meine Eltern wurden in Deutschland aktiv, gerieten bei Protesten in Auseinandersetzungen und erfuhren

Polizeigewalt. Als Kind war es schwer, damit umzugehen.

Dabei freuten sich meine Eltern, wenn wir zu Veranstaltungen mitkamen. Meine Mutter fand immer: „Wenn wir unsere Familien nicht mitziehen können, machen wir etwas falsch.“ Dass sie trotz Kriminalisierung weiter für ihre Ideale kämpften, aber auch linke Traditionen, die uns zu Hause über Musik, Literatur und Gespräche weitergegeben wurden, brachten mich dazu, schließlich selbst politisch aktiv zu werden. Als sich dann noch die politischen Geschehnisse in der Heimat überschlugen, begann ich, als Teenagerin an Protesten und Hungerstreiks teilzunehmen und mich zu organisieren. Je älter ich wurde, umso mehr verstand ich auch das Verhältnis zwischen meinen Eltern, meinen Geschwistern und mir als eins zwischen Genoss*innen. Heute nehmen wir gemeinsam an Demos, Seminaren und Kongressen teil und tauschen uns aus. Ich genieße es, wenn wir beim Frühstück über Politik diskutieren und mein Vater uns halb ernst, ha…