Von Marie Schneider
Illustration: Burcu Türker

Ich kann mich nicht genau erinnern, wann es angefangen hat, aber es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Vielleicht schon mit Anfang zwanzig, doch definitiv ab Mitte zwanzig habe ich mit einer DAP gestruggelt. Eine DAP, also eine „dry ass pussy“, ist das Gegenstück zur WAP, der von Cardi B und Megan Thee Stallion besungenen „wet ass pussy“.
Sie war trocken, hat gejuckt, wurde nach Sex, Fahrradfahren (oder auch einfach so) wund und ist eingerissen und hat mir die Lebensfreude genommen. Die Suche nach dem Grund für meine Beschwerden hat nach zahllosen Gynäkolog*innenbesuchen und erfolglosen

Pilzbehandlungen 2016 mit 29 zu einer neuen Diagnose geführt: Verdacht auf Lichen sclerosus. Lichen sclerosus? Nie gehört, klingt nicht gut. Ich werde an einen Spezialisten überwiesen, der eine Biopsie machen soll, also die operative Entnahme einer Hautprobe, um der Sache auf den Grund zu gehen. In der Zeit zwischen den Terminen mache ich das, wovon gerne abgeraten wird: Ich google Lichen sclerosus. Unheilbare, seltene Krankheit, Zuwachsen der Vulva und Vagina, Zerstörung der Schleimhäute, erhöhte Krebsgefahr … lese ich und will verzweifeln. Mit der Biopsie kommt die Bestätigung: Lichen ruber planus, eine Unterform von Lichen sclerosus. Im Befund stehen Wörter wie Hyperzellkeratose, Lymphozyten im Epithelverband, Einzelzellnekrosen. Und was heißt das jetzt?

Missy magazine 05/22, …</p  sizes=