Von Sonja Eismann

In keiner künstlerischen Figur zeigt sich die perfekt geölte Verschränkung von Patriarchat, Sexismus und männlichem Blick so deutlich wie im Klischeebild der Femme fatale. Als außerirdisch schön, absurd sexy und gleichzeitig manipulativ und herrschsüchtig werden diese „tödlichen Frauen“ dargestellt. Vor allem im späten 19. Jahrhundert hatte dieses cis- heterosexistische Bild Hochkonjunktur.

Das männliche Begehren nach einem machtvollen, sexuell befreiten weiblichen Gegenüber musste aus Angst vor dessen tatsächlicher Entfesselung in Schach gehalten werden.

Dieser Ambivalenz widmet sich nun eine Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, die das Bild der Femme fatale in der Kunst dekonstruieren möchte. „Die Abwertung und Dämonisierung von weiblicher Sexualität, die Objektifizierung der Frau, die normativen Schönheitsideale und die binäre Vorstellung von Geschlecht, die das Bild der Femme fatale maßgeblich ausmachen, sind nach wie vor in unserer Gesellschaft vorhanden“, erläutert das kuratorische Team. Der Institution sei es wichtig, im Zusammenspiel älterer und neuerer Werke „einen Beitrag in der Diskussion um gesellschaftliche Rollenbilder und Genderstereotype zu leisten“. 

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