Auf Augenhöhe

Seit über zehn Jahren zeigt der International Women* Space, wie intersektionale Kämpfe in der Praxis aussehen.

Von Shireen Broszies und Huyen Trang Nguyen Le
Foto: Sonia Hamad

Scheinwerfer durchfluten die Nacht und lassen den Oranienplatz in Berlin aufleuchten, während die kraftvolle Stimme der Musikerin Carmel Zoum wie ein mäandernder Fluss durch die Menschenmenge fließt. In allen Ecken feiern und diskutieren Menschen, nachdem die legendäre Aktivistin Angela Davis ihre Rede beendet hat und sich auf den Weg ins Kreuzberger Café Mundvoll macht. Viele Besucher*innen strömen nach Hause, während sich die Organisator*innen des fünftägigen Festivals „O-Platz wird 10“ an diesem Oktoberabend 2022 glücklich, aber erschöpft am Rande des Geschehens ausruhen. „Seid ihr zufrieden?“, werden wir von Freund*innen gefragt. Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Im vergangenen Oktober haben wir, Shireen Broszies und Huyen Trang Nguyen Le, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Veranstaltung koordiniert. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Widerstandsgeschichte von geflüchteten Menschen, die ab 2012 zunächst den Oranienplatz und infolgedessen die Gerhart-Hauptmann- Schule (GHS) in der

Ohlauer Straße in Kreuzberg besetzt haben. Sie fordern bis heute die Abschaffung der Lager, die faire Behandlung aller Geflüchteten und kämpfen für die Einhaltung des Rechts auf Arbeit und Bildung. Seither agieren wir als Verbündete der feministischen Grassroots- Bewegung International Women* Space (IWS), die sich aus dieser Widerstandsgeschichte gründete und auch das fünftägige Festival organisierte. Nach der Pressekonferenz im Rahmen des Festivals wurden wir immer wütender: wütend auf die fehlende Wertschätzung der Arbeit von IWS, wütend auf die vermeintlichen Grenzen von Solidarität, wütend über performativen Aktivismus und auch wütend auf uns und die Medien. Als Teil dieser Institution ist es uns wichtig, zu hinterfragen, welche Rolle wir als Medienschaffende einnehmen wollen. Gleichzeitig spielt unsere Positionierung eine wichtige Rolle in unserer Arbeit: Welche politische Verantwortung haben wir, als Feministinnen, als Journalistinnen, und wie können wir medial strukturelle, systemis…