Sehnsucht nach Spießigkeit

Früher Modebloggerinnen, heute Interior-Deko-Moms: Wie Soziale Medien gemeinsam mit mir alt wurden.

Von Anna Mayrhauser

Das Hamburger Onlinemagazin „Femtastic“ versteht sich als feministisch, behandelt Themen wie PMS und Inklusion, erzählt Geschichten von Gründer*innen, aber auch von Aktivist*innen. Ein zentrales Element der pastelligen Seite: Storys über Interior-Design, Hausbau, Hauskauf, Hausrenovierung. Ganze drei Reiter der Webpage widmen sich den Themen „Hausbau und Renovierung“, „Homestorys“ und „Tiny Houses und Hausboote“. Die Protagonistinnen und Interviewpartnerinnen sind oft bekannt aus Social Media. In der mehrteiligen Kolumne „Wir renovieren eine Villa“ berichtet etwa die Autorin Büsra Qadi von der Sanierung einer Villa in Niedersachsen, ein Text der Kolumne widmet sich dem

Tabuthema Kaufpreis. Eine andere Story stellt die Renovierung eines 1960er-Jahre-Bungalows am Stadtrand von Hamburg vor, Kaufpreis knapp 900.000 Euro, Sanierungskosten etwa 300.000 Euro. Demütig erklärt die Interviewte, sie würde das Haus ihr Leben lang abbezahlen, schlafe aber trotzdem gut. In den Kommentaren zeigen sich die Leser*innen erfreut über den transparenten Umgang mit dem Kaufpreis und loben die geschmackvolle Etsy-Kunst an den Wänden. Die Magazinmacherinnen und Bloggerinnen von „Femtastic“ sind nicht die Einzigen, die sich durchaus als feministisch oder in einem gewissen Sinne aktivistisch verstehen, eigentlich eher von der Mode kommen und sich dem Thema Haus, Wohnung und Garten annähern. Die Unternehmerin Jessica Weiß, die mit „Journelles“ einen der ältesten und erfolgreichsten Modeblogs Deutschlands betreibt, hat schon die Renovierung einer Altbauwohnung im Prenzlauer Berg auf ihrem Instagram-Account dokumentiert. Nun hat sie gemeinsam mit ihrem Ehemann ein Haus bei einer Zwan…