Von Ann Toma-Toader

Ich liege auf meinem Bett, das Handy in der Hand und swipe gelangweilt durch eine Dating-App. „DM me if you’re submissive“, grinst mir ein Teufel-Emoji in der Bio eines halbnackten Mannes entgegen.

Angewidert swipe ich weiter. Foto von Mann mit Fisch auf dem Arm, Frau mit Gesichtstattoo, Person mit riesigem Septumpiercing. Und immer wieder Männer, die wollen, dass ich ihnen sexuell unterwürfig bin, und weiblich gelesene Personen mit der Bio: „No Pillow Princesses/Keine Bottoms“. Doch warum eigentlich nicht?

Als 14-jähriges Gayby lerne ich zum ersten Mal, dass es Tops und Bottoms gibt. Unzählige Werke der Draco x Harry-Fanfiction belehren mich, dass dies sowohl beim Sex als auch in der Liebe die natürliche Ordnung ist. Wichtig dabei: Wer toppt, ist stark, dominant und übernimmt die Beschützerrolle, wer bottomt, ist verletzlich und vor allem: feminin. Bottom zu sein verbinde ich also mit Femininität und somit mit Schwäche, nicht mit meinem vermeintlich emanzipierten und sexuell befreiten Selbstbild.

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