Von Isabella Caldart

Eigentlich sind ihre Jobs nur temporär, denn eigentlich will sie die „eigentlichen Sachen“ machen, wie sie es bezeichnet. Die 32-jährige Ich-Erzählerin in Josefine Soppas Debütroman „Mirmar“ hangelt sich von prekärer Arbeit zu prekärer Arbeit, von Ausbeutung durch Subunternehmen über sinnloses Aktualisieren von Tabellen bis hin zum Herumstehen in Messehallen. Die „eigentlichen Sachen“, ihr Ausbruch aus diesem Hamsterrad, Kunst machen, sich selbst verwirklichen, all das bleibt dabei auf der Strecke. „Es ist die Aushandlung zwischen der Erzählerin und ihrer Freundin, die sich vormachen,

dass sie nur noch diesen Monat in dem Job arbeiten müssen, und dann, ja dann, können sie die eigentlichen Sachen machen“, erläutert Soppa. „Das ist wie eine Floskel für mich selbst.“

Für Josefine Soppa war es ein Stipendium für sie und ihre Freundin Laura Bleck, mit der sie seit Jahren künstlerisch zusammenarbeitet, das ihr die Chance gab, sich ihren persönlichen, „eigentlichen Sachen“ zu widmen. Soppa, die in der Literaturwelt noch ein eher unbeschriebenes Blatt ist, studierte Philosophie in Dresden und Hildesheim, wo sie Bleck kennenlernte. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit der Schnittstelle von (digitaler) Kunstvermittlung und kollaborativem Arbeiten, bis Soppa das Stipendium erlaubte, sich auf das Schreiben und weniger auf Nebenjobs zu konzentrieren – mithilfe ihrer Freundin: „Sie hat mir quasi ein Stipendium im Stipendium gegeben und gesagt, ich müsse einen Tag die Woche schreiben, und mir dadurch erlaubt, mich dem Roman zu widmen. Das war symbolisch, aber wichtig.“

[caption id="attach…