3D Art: Stella Richter

Projekt der Herzen
Das Missy Magazine war für mein Teenie-Me im konservativen schwäbischen Dorf ein Bildungsmedium und ein Silberstreif. Heute schreibe ich als freie Autorin meistens für männlich dominierte Printmedien, Missy ist für mich eine absolute Ausnahme – Basics wie Gendern sind hier keine Diskussion und ich bin mit weiblichen Perspektiven keine Einzelheit, was entlastet. Ich schreibe meist über Alben, Bücher und Filme; als Leserin habe ich meine Lieblingsbücher und -alben genau so entdeckt, als Besprechungen in Missy. Ich habe mittlerweile erstmals in einem Dossier über meine persönliche Geschichte als Pflegekind geschrieben – Missy ist für mich ein Safe Space und ich bin immer wieder beeindruckt von der Offenheit der Redaktion und der anderen Autor*innen. Missy ist mein Herzensprojekt als Texterin und solange ich meine Miete drinhabe, schreibe ich unglaublich gern auch für ein bisschen weniger Kohle. Bei Missy ist das für mich Ehrensache und ich lieb’s. Vanessa Sonnenfroh

© Stella Richter

Scheiß auf Boomer-Deutschland
Neben mir an der Bushaltestelle sitzt ein alter weißer Mann, wahrscheinlich Boomer. Als ich Missy aufschlage, schielt er rüber und blickt u. a. auf einen Beitrag über Scheidensekret. Kurz überlege ich, die Zeitschrift einzupacken. Nicht, dass es zu viel ist für sein Herz. Aber ich denke, Feminismus kann in keinem Alter schaden, und lese vergnügt weiter. An den Stil von Missy hatte ich mich gerade erst gewöhnt. In der Uni war so was verpönt: Popkultur-Feminismus. Doch Missy hat mit ihrem inklusiven Charakter recht und Akademiker*innen müssen von ihrem Ross in die Realität gehievt werden, in der ich nicht zwischen der „Brigitte“ und Texten mit seitenlangen Fußnoten entscheiden möchte. Wenn ich Missy aufschlage, muss ich nicht fürchten, dass mir Rassismus oder Transfeindlichkeit begegnet. Die Abbildung queerer, fröhlicher, teils messy oder depressiver Lebensgeschichten trifft meine Realität. Missy scheißt auf Boomer-Deutschland. Und ich mit ihr. Amina Aziz

Shitstorm mit Madonna
Als die Anfrage fürs Jubiläumsheft kam, bin ich glatt ein bisschen erschrocken: Was, 15 Jahre schon? Ging es nicht eben gerade erst los mit Missy? Aber dann habe ich mich total gefreut! Darüber, dass das MM (wie wir Fans sagen) den 15. Geburtstag feiern kann – und darüber, dass ich sensationellerweise seit der allerersten Ausgabe (mit Soap & Skin auf dem Cover) dabei bin. Mega! Ich durfte Viv Albertine, Vivien Goldman und Simon Reynolds interviewen, konnte zig Bücher und Platten besprechen und habe sogar mal einen Mini-Shitstorm wegen einer Madonna-Review abbekommen. Und das Allerbeste: Missy ist in Nullkommanix zum wichtigsten feministischen Magazin aufgestiegen und wird das auch bleiben, da bin ich sicher. All das ist mir persönlich wichtiger als die Höhe des Honorars. Herzlichen Glückwunsch und auf viele weitere Jahre! Christina Mohr

Türen öffnen
Meine Reise als Missy-Autorin ging mit einem Praktikum zwischen Bachelor und Master 2018 los. Mir wurde viel Vertrauen geschenkt und ich durfte direkt Interviews führen, Rezensionen und andere Texte schreiben. In einer Redaktion zu arbeiten, wo es keine fiesen Hierarchien – und vor allem keine fiesen sexistischen Kolleg*innen – gibt, war eine der besten, lehrreichsten und schönsten Erfahrungen. Ich bin für diese Zeit für immer dankbar, weil ich vieles gelernt habe und sie darüber hinaus auch der Startpunkt dafür war, dass ich mit meinem Schreiben Geld verdiene. Durch die Zeit in der Redaktion haben sich mir viele Türen geöffnet. Die Honorare bei Missy sind klein, weil unabhängiger feministischer Journalismus auch fünf Jahre nach meinem Praktikum nach wie vor leider ein prekäres Business ist. Deswegen freue ich mich umso mehr, auch fünf Jahre später weiterhin für Missy zu schreiben und einen kleinen Teil zu diesem unabhängigen feministischen Journalismus beizutragen. Lisa Tracy Michalik

Multiplikator
Vom Missy Magazine habe ich meine ersten Illustrationsaufträge erhalten, nachdem ich Missy mein Portfolio geschickt hatte. Ich wollte unbedingt in diesem tollen Magazin sein, das im Kiosk zwischen all den anderen Magazinen so heraussticht und inhaltlich einfach superprogressiv und wichtig ist. Seitdem war das Missy Magazine wie ein Multiplikator, der durch die tollen Gestalter*innen, die daran mitarbeiten, weitere Aufträge mit sich brachte. Zudem berichtete Sonja Eismann in Missy damals über mein erstes Buch „Ferngespräch“, was sehr wichtig für mich war. Dennoch würde ich mir wünschen, dass das Magazin in der Lage wäre, besser zu bezahlen, denn manchmal musste ich den einen oder anderen Auftrag für Missy absagen, da ich eher an Projekten arbeiten musste, die am Ende meine Rechnungen bezahlen. Daher wünsche ich mir, dass noch mehr Menschen Missy lesen! Sheree Domingo

Für alle Girlkämpfer*innen
Man verdient voll wenig – oder ziemlich wenig – Geld, wenn man für Missy schreibt, was ein bisschen ironisch ist, denn ich glaube, Geld – und Kapitalismus – sind der Grund, weshalb ich für Missy schreibe. Die Menschen sagen oft, dass Missy-Feministin sein heißt, intersektionale Feministin zu sein. Und das heißt, wiederum: über Unterdrückung, über Ausbeutung bewusst nachzudenken. Ich schreibe für Missy, obwohl es wenig Geld gibt, weil ich an einen Feminismus, der für alle Frauen und FLINTA kämpft, glaube. Und ich glaube nicht nur, dass ein Feminismus, der sich nicht für Marginalisierte und Unterdrückte einsetzt, kein „echter“ Feminismus ist – sondern, dass er brandgefährlich ist. Ich gebe zu, manchmal fühle ich mich ein bisschen alt, wenn ich Missy lese. Aber ich halte das für richtig, dass es so eine Zeitschrift in unserem Land gibt! Eine Zeitschrift voller neuer Gedanken, die neue feministische Ideen promotet und neue feministische Figuren findet. Es kann wirklich nicht sein, dass das Hauptziel des Feminismus ist, dass Barbara Schöneberger mehr als ihr Ehemann verdient. Ich freue mich für sie, doch das kann nicht unser Hauptziel sein. Und ich finde es nicht nur sinnlos, sondern schädlich, solche Einstellungen zu fördern. Dieser Girlboss-Feminismus hat zu einer Welt geführt, in der Menschen glauben, dass es antifeministisch ist, wenn man Frauen dafür kritisiert, dass sie durch das Propagieren von Vergewaltigungsmythen Geld machen. Wir müssen kämpfen für die, die Opfer sind. Ich bin auch ab und zu ein bisschen #Girlboss – ich glaube, jede WoC, die in Deutschland schreibt, muss ein bisschen #Girlboss sein. Aber ich schreibe für Missy als #Girlkämpferin, und ich kämpfe für alle. Jacinta Nandi

Raus aus der Komfortzone
Ich illustriere gerne für Missy, weil ich mich sowohl gestalterisch als auch inhaltlich mit Themen auseinandersetzen kann, mit denen ich oft relate, die mich aber auch hin und wieder challengen. Wenn ich erst mal Begriffe recherchieren muss, die ich gar nicht kenne (#pillowprincess) oder zu denen ich erst mal keinen persönlichen Bezug habe (#strapons), bewege ich mich damit auch immer wieder aus meiner eigenen Komfortzone. Im Entstehungsprozess hatte ich noch nie das Gefühl, als Illustratorin eine reine Dienstleistung erfüllen zu müssen. Ich bekomme Handlungsspielraum, meine eigene Perspektive einnehmen zu können oder herauszufinden, was meine persönliche Haltung und Sprache sein kann. Das empfinde ich als eine enorme Freiheit! HEGDL . Zora Asse

Raus aus der Nische
Missy war das erste Magazin, das in meinen Zeichnungen mehr als nur Pimmel sah und mir tatsächlich echtes Geld für eine Illustration zahlte! Das fand ich schon sehr cool und ermutigend. Raus aus der Nische, ab in den Kiosk. Außerdem schreibt Missy über sau viele Themen, die sonst oft zu kurz kommen oder gar ein Tabu sind. Anna Beil

 Diese Texte erschienen zuerst in Missy 03/23.