Illustration: Zora Asse

Das Erste, was ich von meinem Partner zu sehen bekam, war sein Hintern. Genauer gesagt war es das Foto seiner Rückseite beim Klettern, dazu der Satz: „Der könnte dir gefallen.“
Als wir uns trafen, habe ich weder (sofort) an seinen Hintern gedacht noch daran, mit ihm schlafen zu wollen. Ich wollte ihm einfach nah sein. Warum das für mich so besonders war? Ich bin hypersexuell und wenn ich jemanden attraktiv finde, möchte ich ziemlich schnell mit dieser Person intim werden. Das ist an sich nichts Schlimmes, meine Libido und mein Bedürfnis nach sexueller Stimulierung und Befriedigung sind einfach stärker ausgeprägt

als bei allosexuellen Menschen. Allosexualität, also sich in einem „gewöhnlichen“ Maße zu anderen Menschen sexuell hingezogen zu fühlen, wird als Norm gesehen. Es wird als Gegenbegriff zu Asexualität benutzt und an sich soll Hypersexualität eine Unterkategorie von Allosexualität sein. Hier wird es tricky, denn als hypersexuelle Person übersteigt mein Verlangen angeblich ein „Normalmaß“, womit ein Leidensdruck einhergehen soll. Über ein „Normalmaß“ kann und will ich nicht urteilen, den Leidensdruck gibt es dank Slutshaming und Vorurteilen hingegen schon. Zu oft denken Menschen, man sei „leicht zu haben“, und noch häufiger läuft man Gefahr, ausgenutzt zu werden. In meinem Fall kommt noch hinzu, dass ich über zwanzig Jahre lang geglaubt habe, mein Wert als Mensch hänge von meiner Fickbarkeit ab. Und so war Sex für mich zu Beginn einer Beziehung ein Muss.

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