Interview: Saskia Jaschek

Seit dem 15. April dieses Jahres herrscht in Sudan Krieg. Wer kämpft und warum?
Bei den kämpfenden Konfliktparteien handelt es sich um die sudanesischen Armed Forces (SAF) unter der Führung des Generals Abdel Fattah al-Burhan und die Rapid Support Forces (RSF) unter General Mohamed Hamdan Dagalo, auch bekannt als Hemitti. Was gerade passiert, ist ein Machtkampf. Beide hatten im Oktober 2021 zusammen gegen die zivile Regierung geputscht. Seitdem war klar, dass beide Ambitionen haben, alleine zu regieren. Damals haben sie den Putsch eine „Korrekturmaßnahme“ genannt und behauptet, im

Land würde ansonsten Krieg ausbrechen. Ironischerweise ist das Land jetzt gerade wegen des Putsches im Krieg.

Warum haben sie 2021 zusammen geputscht?
Dafür gibt es viele Gründe. Ein Grund ist, dass die zivilen Kräfte an Einfluss gewonnen hatten. Das wollte al-Burhan nicht. Al-Burhan ist eine Art NCP-Loyalist (NCP steht für National Congress Party, die islamistische Partei des früheren Diktators Omar al-Baschir, die nach der Revolution 2018/19 verboten wurde, Anm. d. Red.). Nach dem Putsch gab er den Islamisten ihr konfisziertes Vermögen und ihre Positionen zurück. Er entließ sie aus dem Gefängnis und versorgte sie mit allem, was sie wollten. Ein anderer Grund ist, dass die Generäle achtzig Prozent der sudanesischen Wirtschaft kontrollieren. Sie hassten es, dass die Zivilregierung diese Einnahmen regulieren und die Wirtschaftsteile der SAF und RSF in die reguläre Wirtschaft integrieren wollte. Ich denke aber auch, dass der Krieg f…