Artworks: Mean Goddess

© Mean Goddess

Ich liege im Bett und scrolle durch endlose Reels. Fran Drescher und Hollywoods Gewerkschaften streiken für bessere Arbeitsbedingungen und für einen fairen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Another white dude with a podcast will mir sagen, wie ich ChatGPT endlich die richtigen Fragen stellen kann. Zwischen den Reels versuchen immer wieder neue Personen, mir die sechs, drei oder zehn wichtigsten AI-Tools anzudrehen. So viele Möglichkeiten, heute noch meine Effizienz zu maximieren. Am effizientesten wäre ich wahrscheinlich, wenn ich einfach mein Handy aus der Hand legen und aufstehen würde. Aber die endlosen, algorithmisch kuratierten Feeds in meinen Social-Media-Apps lassen mich

nicht los; sie sind gleichzeitig streng linear und doch vollkommen außerhalb von Zeit und Raum. Wo sind jetzt noch mal die letzten zwei Stunden geblieben?

Künstliche Intelligenz und temporale Narrative sind eng miteinander verknüpft. Technologiefirmen verkaufen KI als die Zukunft; sie verkaufen maschinengewordene Effizienz und damit Arbeits- und Zeitersparnis. In Science-Fiction-Erzählungen werden durch die Konzepte Singularität (Künstliche Intelligenz übertrifft menschliche Intelligenz) und Transhumanismus (Verschmelzung von Menschen und Maschinen) spezifische Bilder geschaffen, die als scheinbar unverrückbare Zukünfte in uns verankert sind, im Silicon Valley dankbar aufgegriffen und als Inspiration genutzt werden. Smartwatches, selbstfahrende Autos, VR-Brillen und Roboter existierten zunächst in Büchern und Filmen als utopische Ideen und wurden dann von Tech-Studios realisiert. Diese Firmen leben von Tech-Determinismus, also der Vorstellung, dass gesellschaftliche Veränderung allein durch Technologien ve…