Interview: Zain Salam Assaad und Sicilia Shehata

Porträt der Direktorin des palestinensischen Vereins Women of the sun
© Juliette Moarbes

Warum hast du Women of the Sun gegründet?
Das Leben im Geflüchtetenlager Deheische (im Westjordanland, Anm. d. Red.) hat mich inspiriert, meine Arbeit zu starten. Women Of The Sun wurde als eine Bewegung gegründet, die politische und ökonomische Ermächtigung für palästinensische Frauen fordert. Wir denken, dass es für Frauen schwierig ist, politisch unabhängig zu sein, wenn sie es nicht finanziell sind, und umgekehrt. Palästinenser*innen benötigen außerdem mehr politisches Bewusstsein und Zugang zu politischen Räumen. Daher veranstalten wir im Allgemeinen und sofern es die Sicherheitslage zulässt, Workshops zur politischen Bildung. Angesichts des aktuellen Kriegszustands haben wir Maßnahmen im Bereich der Traumabewältigung, psychologischen und sozialen Unterstützung ergriffen. Außerdem haben wir

Hilfskampagnen durchgeführt, die stark betroffene Familien, insbesondere in Gaza und in den nördlichen Geflüchtetenlagern im Westjordanland, wie Dschenin und Tulkarm, unterstützen sollen.

Wie sind die Reaktionen auf eure Bewegung?
Unsere Gründung ging mit viel Skepsis einher. Innerhalb unserer Community gibt es viele Herausforderungen, auch bezüglich der Ideale, die wir vertreten: Wir wollen eine feministische, gewaltfreie Bewegung sein. Wir setzen uns für friedlichen Widerstand ein, um das Leben unserer Kinder zu schützen. Wir wollen keine Unterdrückung und keine Verletzten aufgrund weiterer Gewalt. Auch die Existenz einer Organisation mit weiblicher Führung war etwas Neues. Mittlerweile sind wir ungefähr dreitausend palästinensische Frauen in allen palästinensischen Gebieten. In Gaza waren wir mehr als dreihundert Frauen, aber während des Krieges wurden leider mehr als 27 von uns zusammen mit vielen Familienmitgliedern getötet. Seit Anfang Februar kann ich nicht mit den Frauen…