Drei Porträts nebeneinander von den Herausgeberinnen Mirjam Zadoff, Miryam Schellbach und Lena Gorelik.
Mirjam Zadoff © NS-Dokumentationszentrum München, Foto: Connolly Weber Photography, Miryam Schellbach © Holger Priedemuth, Lena Gorelik © Charlotte Troll

Lena, du bist Autorin, Miryam, du arbeitest bei einem Verlag und Mirjam Zadoff ist Historikerin und Direktorin des NS-Dokumentationszentrums in München. Wie habt ihr zusammengefunden, um diesen Sammelband zu konzipieren?
Lena Gorelik: Miryam und ich kannten uns und haben schnell nach dem 7. Oktober angefangen zu sprechen. Wir wussten voneinander, dass wir die Region kennen und dort Menschen leben, die wir lieben – also haben wir uns gegenseitig gefragt: „Hey, wie geht es dir, wie überlebst du, wie schaffst du es durch den Alltag?“ Ich habe mich die ersten zehn Tage kaum aus dem Haus getraut, musste aber zu einer Theaterpremiere. Dort hat mich jemand gefragt, wie es mir geht, und als ich ehrlich mit den politischen Ereignissen antwortete, fragte die Person: „Ja, und sonst so?“ Es ist wichtig, Menschen zu haben, die auch wissen, dass es kein „Und sonst so?“ gibt. Dann hatte Miryam die Idee, diesen Band

herauszubringen. Mirjam Zadoff haben wir dazugeholt, weil sie als Historikerin, Wissenschaftlerin und Museumsleiterin noch einmal einen ganz anderen Blick auf institutionelle Ebenen des Diskurses hat.                
Miryam Schellbach: Nach dem 7. Oktober hieß es überall hierzulande, dass bestimmte Menschen in ihrer Trauer alleingelassen werden. Ich glaube aber, es hätte gerade in den ersten Wochen gar keine richtige Form der Adressierung geben können: Trauer, Betroffenheit, Ausgrenzung der Stimmen, die sich nicht eindeutig für eine Seite positionierten, all das passierte ja gleichzeitig. Ich glaube, wer damals sagte, wir werden alleingelassen, hat eigentlich sagen wollen: Ich fühle mich allein mit und in meiner Betroffenheit, ich will darüber reden, weiß aber nicht, wie das in dieser gesellschaftlichen Gemengelage gehen soll.

Ging es dir auch so?
MS: Ein Teil meiner Familie ist palästinensisch und lebt in Israel, fällt also gewissermaßen durch das Raster der simpl…