© Tessa Curran

Sultana, du setzt dich in Thüringen für die Rechte von Geflüchteten und Migrant*innen ein. Wie sieht deine Praxis aus?
Das ist eine schwierige Frage, weil es so viel und vieles miteinander verwoben ist. Ich habe versucht, migrantischen Selbstschutz gegen alltäglichen und institutionellen Rassismus aufzubauen, Räume für Empowerment und Solidarität zu schaffen. Auch deshalb habe ich 2021 den Thüringer Ableger von „Jugendliche ohne Grenzen“ gemeinsam mit anderen jungen, migrantischen, rassifizierten Menschen gegründet. Das war damals für Erfurt etwas Einmaliges: Ein Raum, in dem man zusammenkommt und weiß, dass Menschen dieselben Rassismuserfahrungen machen, migrantische Lebensrealitäten teilen oder sich miteinander solidarisieren. Es gibt bei uns konkrete Hilfe für Jugendliche, die rassistische

Gewalt erleben. Z. B. indem wir Kontakt zu Beratungsstellen aufbauen oder in juristischen Verfahren unterstützen. Mir war es wichtig, den Fokus weg davon zu lenken, die Dominanzgesellschaft von etwas zu überzeugen. Es muss um Betroffene gehen, darum, was unsere Wünsche und unsere Rechte sind und wie wir uns empowern können. Dafür habe ich z. B. mit anderen migrantischen, beeindruckenden Frauen den Verein MigraFem gegründet, um den politischen Einfluss von Frauen mit Migrationshintergrund durch politische Teilhabe und Empowerment zu stärken. Aber ich war auch in dem Geflüchtetenlager im thüringischen Hermsdorf, wo Geflüchtete bis Mitte Juni unter unmenschlichen Umständen zu Hunderten lebten, und habe via Social Media und durch Gespräche mit Medien versucht, Öffentlichkeit über die dortigen Verhältnisse zu schaffen. Außerdem organisiere ich Demonstrationen – derzeit plant ein antirassistisches Bündnis eine große antirassistische, antifaschistische Demonstration für Ostdeutschland. Diese Demos moderiere ic…