Unter Frauen. Geschichten vom Lesen und Verehren
Das Konzept eines Literaturkanons der großen, zeitlosen Werke kann man infrage stellen. Nur gibt es ihn ja trotzdem, den Kanon, in dem Namen wie Thomas Mann, Martin Walser und Max Frisch seit Jahrzehnten rauf und runter zitiert werden. Es soll nun also ein neuer her – ein weiblicher. Von der beinahe achtzigjährigen Gabriele von Arnim bis zum Tussicore-Vorbild Jovana Reisinger, von der antirassistischen Aktivistin Mirrianne Mahn bis zur preisgekrönten Yael Inokai – in „Unter Frauen“ schreiben 13 Schriftstellerinnen über Schriftstellerinnen, die sie bewundern. Während Mareike Fallwickl

von den lesbischen Liebesbriefen Selma Lagerlöfs erzählt, kehrt Deniz Ohde zurück zu den Fabelwesen ihrer Kindheit. Jovana Reisinger schreibt über „Raving“ von McKenzie Wark und Ruth-Maria Thomas so liebevoll über Irmgard Keun, dass man unbändige Lust bekommt, „Das kunstseidene Mädchen“ zu lesen. In den Texten geht es um „Oden“ auf Autorinnen, die „verzaubern“, es geht um Bücher als Zufluchtsorte und immer wieder um Schwesternschaft. Wer das Lesen nicht aus vollem Herzen verehrt, wird diesen Band kitschig finden. Aber Kitsch ist so eine misogyn diffamierte Sache und manchmal ja ganz schön. Blumen auf dem Cover hätten es trotzdem nicht sein müssen. Jolinde Hüchtker

Anna Humbert & Linda Vogt (Hg.) „Unter Frauen. Geschichten vom Lesen und Verehren“ ( Rowohlt, 192 S., 24 Euro ) 

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