Hey,

es fing alles so traumhaft an: Social Media als utopischer Ort, der politische Bewegungen weltweit vernetzt, ein Ort, der Sichtbarkeit für marginalisierte Gruppen schafft und diese selbstermächtigt, ein Ort, an dem Wissen geteilt wird. Ein Ort, der vielen von uns durch die Pandemie geholfen hat, über den Freund*innenschaften entstanden sind. Jetzt ist alles anders. Natürlich waren die Sozialen Medien immer schon von Konzernanliegen dominiert und durch unsichtbare Ausbeutung gekennzeichnet: Wie viel Wasser verbrauchen die Server, damit du durch deine Reels scrollen kannst? Wie viele Clickworker arbeiten unter illegalen Arbeitsbedingungen, werden täglich bei ihrer Arbeit mit Hatespeech konfrontiert und bleiben dadurch ein Leben lang belastet? Und natürlich: Was passiert mit all den Daten, die wir willentlich hergeben? Wurden damit etwa Systeme trainiert, die sich jetzt gegen uns richten? Hupsi! 

Schon seit einigen Jahren werden Worte wie „queer“ oder „trans“ und LGBTQI+-Content auf Instagram geshadowbanned, sodass wir unsere Inhalte selbst zensiert haben, bspw. mit solchen Schreibweisen: „qu33r“. Die kontinuierlichen intransparenten Veränderungen rund um den Algorithmus der Plattformen machen uns schon lange zu schaffen. Wir müssen permanent unsere Postingstrategie anpassen, damit euch unsere Beiträge überhaupt angezeigt werden, und das als kleines Team stemmen. Deshalb ist die nächste Eskalationsstufe rund um die Plattformen auch ein Geschenk, um endlich einen Schlussstrich zu ziehen: Nicht nur hat Mark Zuckerberg mit Meta eine Million Dollar an Trump gespendet, sondern sofort nach der US-Wahl die unabhängigen Faktenchecks aus Instagram abgeschafft – ein Tool, mit dem hauptsächlich die Inhalte von Rechten, Verschwörungsheinis und Trump-Anhänger*innen überprüft und dadurch zumindest versucht wurde, ihrer gezielten Desinformation entgegenzutreten. Hass und Fakenews haben in den letzten Jahren bei Instagram überhandgenommen. Außerdem führte Meta dystopische Experimente mit KI-Nutzer*innen-Profilen durch und sperrte zeitweise Suchbegriffe wie „Demokraten“ oder „#prochoice“. Für uns als feministisches und linkes Medium bedeutet das, dass der Hass, wegen dem wir damals schon sehr zeitig mit unserem Magazin-Account Twitter verlassen haben, nun auch auf Instagram zunehmen wird. Außerdem werden wir trotz Selbstzensur mit unseren Inhalten weniger zu euch durchdringen. Der Algorithmus ist natürlich ebenso rechtsradikal wie seine Daddys. Für uns heißt es deshalb perspektivisch: Bye-bye Instagram. Aber was kommt als Nächstes? Um ehrlich zu sein, ganz genau kann ich das noch nicht sagen! Wir schauen uns im Moment Plattformen wie Bluesky und Mastodon an, unseren Podcast „Pissy“ kennst du bestimmt bereits und kannst ihm bei vielen Anbietern folgen. Wichtig ist, dass du unser Heft und unseren Newsletter abonnierst, um den Kontakt zu uns nicht zu verlieren, weil ein paar Milliardäre in den USA ihre Medien gleichschalten. Also, jetzt Missy-Abo abschließen und unabhängigen feministischen Journalismus stärken! 

Dieser Text erschien zuerst in Missy 02/25.