Mit Schweiß und Haltung
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Anpfiff. Sie kickt den Ball, der fliegt in Richtung des gegnerischen Teams. „Up!“, ruft ein*e Mitspieler*in, und auf deren Kommando sprinten wir vor, rennen, werfen und tackeln freundschaftlich um Punkte. Hier spielen die Berlin Bruisers, Deutschlands erster queerer Rugby-Verein. Er besteht aus drei Gruppen: dem FLINTA*-, dem Mens-Inclusive- und dem All-Gender-Touch-Team. Es kann also mit und ohne Vollkontakt gespielt werden.
Einige sehen Rugby als eine brutale, vielleicht auch einschüchternde Sportart oder kennen es noch gar nicht. Spätestens seitdem bei den letzten Olympischen Spielen in Paris Frauen-Rugby-Videos viral gegangen sind, ist die Sportart Teil des Diskurses rund um Sport und Feminismus. Die US-amerikanische Spielerin Ilona Maher erreicht in den Sozialen Medien seitdem Millionen mit ihrem Content zu weiblichen Perspektiven auf männerdominierten Sport. Rugby lebt von unterschiedlichen Körpertypen und vielfältigen Fähigkeiten: ob schnell und flink oder robust und stark, hier ergänzen sich die Spieler*innen gegenseitig. Rugby ist deswegen nicht nur für männliche Muskelpakete, sondern lädt alle ein, die Lust auf ein Kräftemessen haben. Die internationale Rugby-Community ist bekannt für Queerness und Inklusivität und der Kampf für trans Rechte hat große Priorität. So auch beim „Ruck You Match“ in Oslo, bei dem cis, trans und nicht-binäre Athlet*innen miteinander spielten und ein Zeichen gegen transfeindliche Politik setzten.
Bei den Bruisers findet jede*r einen Platz auf dem Pitch. Jede Frage, Verletzung oder Unsicherheit wird ernst genommen, der Umgang ist spielerisch und ermutigend. Teammitglied Viki ist schon seit anderthalb Jahren dabei und kann sich kein solidarischeres Umfeld vorstellen: „Mir zeigt das Team immer wieder aufs Neue, dass es zu seinen Prinzipien steht.“
Im Mai stand für die Bruisers der große Union-Cup der International Gay Rugby League in Oslo an. „Ich freue mich schon riesig darauf“, erzählt Viki einige Wochen zuvor aufgeregt. Gemeinsam Spaß zu haben und sich sicher zu fühlen, hat sich ausgezahlt: Die Berlin Bruisers holten in Oslo den zweiten Platz.
Luna Afra Evans begann 2023, an der UPenn Rugby zu spielen, und kam später zu den seit 2012 bestehenden Berlin Bruisers. Im Jahr 2021 gründeten sie das FLINTA*-Team und öffneten damit offiziell den Verein für alle Gender. Und es gibt sogar regelmäßige Rugby-Einführungen – für alle, die es mal ausprobieren möchten.
Dieser Text erschien zuerst in Missy 04/25.